Bildungsformate

„Kriegsgräber-Gedenkstätte am Westermoorweg“

Eine Einführung zu unserem Film

Einfühungstext von Dr. M. Duncker (2026)

Dieser Film ist das Ergebnis einer mehr als zweijährigen Auseinandersetzung mit der Gedenkstätte am Westermoorweg: Recherchen im Heider Stadtarchiv, die Analyse von Darstellungstexten und zahlreiche Gespräche bildeten seine Grundlage.

Ein solches Projekt ist nur durch die Unterstützung vieler möglich. Mein Dank gilt dem Team der Bildungsformate unserer Stiftung sowie den beteiligten Schülerinnen und Schülern der Begabtenförderung Geschichte am Gymnasium Heide-Ost, die sich über zwei Jahre hinweg an jedem Freitagnachmittag engagiert eingebracht haben – vor und hinter der Kamera.

Ebenso danken wir der „Partnerschaft für Demokratie Dithmarschen“. Ohne ihre finanzielle Unterstützung wäre dieses Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen.

Unser Ziel war es, nicht nur historische Fakten zur Gedenkstätte zu vermitteln, sondern auch die Perspektiven junger Menschen sichtbar zu machen: Welche Fragen richten sie an diesen Ort und an die Vergangenheit? So sollte ein Raum für Austausch und Diskussion entstehen. Auch das ist Demokratiebildung: die Erfahrung, dass demokratisches Zusammenleben vom Gespräch und vom gemeinsamen Ringen um Verständnis lebt. Dieser Film ist selbst aus einem solchen Prozess hervorgegangen.

Er informiert nicht nur, sondern bewegt und regt dazu an, sich intensiver mit dem System der Zwangsarbeit in Dithmarschen während des Zweiten Weltkriegs auseinanderzusetzen.

Ein besonderer Dank gilt dem Videografen Carlos Arias. Er hat gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern das Drehbuch entwickelt, die Dreharbeiten vorbereitet, das Rohmaterial geschnitten und die Animationen umgesetzt.

Seine Arbeit gab den Gedanken, Fragen und Bildern der Schülerinnen und Schüler eine filmische Form. Aus dieser gemeinsamen künstlerischen Auseinandersetzung entsteht ein Blick auf den Krieg, der nicht nur Geschichte erzählt, sondern auch seine zerstörerische Gewalt spürbar macht.

Der Krieg ist ein hungriges Monster. Ein Monster, das von Menschenfleisch lebt – und niemals satt wird.

Der Zweite Weltkrieg, der sich durch seine unfassbare Grausamkeit für immer in das Gedächtnis der Menschheit eingebrannt hat, war wohl das hungrigste dieser Monster. Der vom nationalsozialistischen Größenwahn getriebene Krieg brauchte Soldaten. Er brauchte Nahrung. Er brauchte Waffen. Und all das erforderte eines: Arbeitskräfte.

Doch viele Männer wurden aus Industrie und Landwirtschaft an die Front geschickt. Es fehlten die Zahnräder der Kriegswirtschaft in der Heimat. Die zunächst angeworbenen Zivilarbeiter aus dem Ausland konnten den Bedarf bei Weitem nicht decken. Also wurden aus den besetzten Gebieten Europas – insbesondere aus dem Osten – Männer, Frauen und Kinder aus ihrem Leben gerissen, um Deutschland im Krieg gegen ihre eigene Heimat zu dienen.

Für den Einsatz außerhalb des Reichsgebietes existieren keine verlässlichen Zahlen. Sie dürften jedoch noch um ein Vielfaches höher liegen als die rund 13,5 Millionen ausländischen Arbeitskräfte im Gebiet des sogenannten Großdeutschen Reiches.

Auch bei uns in Schleswig-Holstein stiegen die Zahlen der Deportierten und erreichten ihren Höhepunkt Ende 1944. Rund 134.000 Fremdarbeiter – ein Drittel davon Frauen und Mädchen – wurden hierher deportiert, um in Industrie und Landwirtschaft zu arbeiten.

Wer verschleppt wurde, aus Heimat, Familie, Freundeskreis oder Ehe gerissen, konnte kaum mit einer Rückkehr rechnen. Nur wenige Ausnahmen – etwa bei schweren Krankheiten oder anfangs bei Schwangerschaften – sind bekannt.

Zwischen 80 und 95 Prozent der Bauernhöfe hatten mindestens einen – euphemistisch formuliert – „Fremdarbeiter“. Besonders Menschen aus dem Osten, vor allem aus Polen, der Ukraine, Russland und Weißrussland, wurden innerhalb der rassistischen Ideologie besonders gedemütigt. Ein Aufnäher mit den Buchstaben „OST“ oder ein „P“ für Polen machte sie für alle sichtbar – und markierte sie als sogenannte Menschen zweiter Klasse.

Das Verhalten der deutschen Arbeitgeber war unterschiedlich. Manche handelten weniger brutal, andere mit äußerster Grausamkeit. Oft entschied das reine Glück darüber, ob dieser wahr gewordene Albtraum zumindest körperlich überlebt werden konnte – oder ob exzessive Prügelstrafen, Erniedrigungen und Isolation zur nie endenden Zermürbung führten.

Und selbst die Gedanken waren nicht frei:

Ein abgefangener Brief der polnischen Zwangsarbeiterin Irena, in dem sie die Demütigungen in ihrer Zwangsheimat Lübeck schilderte und den sie mit angedeuteten Suizidgedanken beendete, wurde als Ausdruck „deutschlandfeindlicher Gesinnung“ gewertet. Das Strafmaß: drei Jahre verschärftes Straflager. Ihr weiterer Verbleib ist unbekannt.

Doch nicht nur in Lübeck. Auch hier, direkt in Heide, spielten sich solche Szenen ab.

Die ausgehungerten und oft kranken Zwangsarbeiter hatten meist eine schreckliche Verschleppung hinter sich. 40 oder 50 Menschen – vielleicht noch mehr – wurden in Viehwaggons gepfercht. Tagelange Fahrten unter Hunger, Durst und ohne sanitäre Anlagen wurden für viele zur letzten. Tote wurden unterwegs aus den Waggons geworfen.

Auch hier in Heide – an der alten Schweineweide. Heute ist dieser Ort eine Grab- und Gedenkstätte für die verstorbenen Zwangsarbeiter. In seiner jetzigen Form entstand er durch ein gemeinsames Projekt des Werner-Heisenberg-Gymnasiums und der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung.

Dort wurden die Toten aus den Waggons geworfen – noch bevor der Zug in den Heider Bahnhof einfuhr. Die makabre Begründung lautete: Deutschen Reisenden sollte dieser Anblick nicht zugemutet werden.

Nach der Ankunft wurden die Verschleppten vom Bahnhof zum Arbeitsamt gebracht. Dort konnten Betriebe und Höfe sie begutachten – und auswählen.

Und diese Zwangsarbeiter waren im Alltag sichtbar. Dies beweist das Schreiben des Landrates vom 18. November 1941. Dieser wies an, dass in Schulen, bei der Arbeit und in öffentlichen Stellen die Bevölkerung darüber aufzuklären sei, dass jeglicher Kontakt zu den Deportierten zu unterlassen sei. Missachtung könne mit Schusswaffengebrauch durch Wachmannschaften geahndet werden. Mitleid sei fehl am Platz. Durch „unsoldatische Weise“ und „sinnlosen Gebrauch von Nahrungsmitteln“ hätten die „Bolschewisten“ ihre Ernährungsschwierigkeiten selbst verschuldet.

Doch was geschah nach diesem schrecklichen Krieg?

Das Bundesentschädigungsgesetz von 1956 stellte Zwangsarbeit unter haftähnlichen Bedingungen zwar einem entschädigungspflichtigen Freiheitsschaden in Aussicht. Anspruchsberechtigt waren jedoch nur Personen mit Wohnsitz oder dauerhaftem Aufenthalt in Deutschland. Da 95 Prozent der ehemaligen Zwangsarbeiter in Osteuropa lebten, hatten sie keinen Zugang zu diesen Leistungen.

Eine umfassende Aufarbeitung blieb ebenso aus und weist bis heute Lücken auf.

Auch in Heide zeigt sich dies – in der bis heute gebräuchlichen und sachlich falschen Bezeichnung „Russenfriedhof“ spiegelt sich dies wider. Einige haben von ihm gehört. Weniger waren dort. Und noch weniger wissen, dass dort nicht nur Russen, sondern auch Ukrainer, Polen und andere Nationalitäten begraben liegen.

Zu einem „Nie wieder“ an Unterdrückung, zu einem „Nie wieder“ an Tyrannei, zu einem „Nie wieder“ an Menschenverachtung gehört jedoch der sorgfältige Blick auf das Vergangene.

Und besonders auf das lokale Vergangene. Denn nicht nur in Auschwitz, Treblinka oder Bergen-Belsen wurden Menschen in einen anonymen Tod geschickt. Sondern auch hier. Hier in Heide.

Studienfahrt nach Prag

Ein Filmprojekt über die Studienfahrt zweier 11. Klassen des Gymnasiums Heide-Ost.

Die Filmdokumentation zeigt eine Studienfahrt zweier 11. Klassen – des Musik- und Geschichtsprofils des Gymnasiums Heide-Ost – nach Prag und in die Gedenkstätte Theresienstadt. Im Fokus der Reise steht die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus an historischen Orten. Unterstützt wurde das Projekt durch die Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung.


Der Film begleitet die Schülerinnen und Schüler chronologisch durch die einzelnen Stationen der Fahrt. Dazu gehören Museumsbesuche, Programmpunkte in Prag sowie Eindrücke aus dem Stadtleben. Gleichzeitig werden persönliche Wahrnehmungen und Gedanken der Teilnehmenden sichtbar, die im Verlauf der Reise entstehen.

Ein zentraler Abschnitt der Dokumentation ist der Aufenthalt in Theresienstadt. Der Besuch der Gedenkstätte bildet einen inhaltlichen Schwerpunkt und wird im Film entsprechend begleitet.

Neben den inhaltlichen Programmpunkten zeigt die Dokumentation auch die Abläufe der Reise insgesamt – von der Anreise über die einzelnen Tage vor Ort bis hin zur Rückfahrt. Dabei entsteht ein zusammenhängender Überblick über den Verlauf der Studienfahrt.

Die filmische Umsetzung erfolgte durch zwei Schüler, die das Projekt eigenständig dokumentiert und aufbereitet haben.

Zimmer 28

Eine Veranstaltung zum Schicksal jüdischer Kinder im Ghetto Theresienstadt

(2025)

Die Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung lädt zu einer Filmvorführung mit Lesung ein, die auf dem Theresienstädter Tagebuch der Holocaustüberlebenden Helga Pollak basiert. In ihren Aufzeichnungen hielt das jüdische Mädchen eindringlich Erfahrungen und Erlebnisse aus der Zeit ihrer Verfolgung fest. Es handelt sich um ein außergewöhnlich bedeutendes Zeitdokument, das dem Tagebuch der Anne Frank in seiner Aussagekraft ebenbürtig ist.

Herausgegeben wurde das Tagebuch von der Autorin und Editorin Hannelore Brenner-Wonschick, die zudem das Skript für die Lesung erarbeitet hat. Diese wird seit vielen Jahren in Deutschland und international aufgeführt. Umso mehr freuen wir uns, sie nun auch im Jüdischen Museum Rendsburg präsentieren zu können.

Begleitend entstand im Rahmen eines interdisziplinären Unterrichtsprojekts eine Filmdokumentation, die sowohl die Lesung als auch eine Projektfahrt nach Theresienstadt und Prag dokumentiert. Ziel dieser Reise war es, Jugendlichen die historischen Orte jüdischen Lebens – und jüdischen Sterbens – unmittelbar erfahrbar zu machen.

Im Anschluss an die Vorführung möchten wir mit dem Publikum darüber ins Gespräch kommen, welchen Stellenwert die intensive Auseinandersetzung junger Menschen mit diesen Themen angesichts aktueller Herausforderungen für unsere Demokratie hat. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender rechtsextremer Tendenzen unter Jugendlichen gilt es, etablierte Ansätze der historisch-politischen Bildung kritisch zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

"Ich bin Dithmarschen"

Eine Ausstellung mit Interviews zum Thema Migration

(2024)

Zitat eines Musikers
„In unserem derzeitigen politischen Klima fokussiert man sich auf die negativen Aspekte von Vielfalt. Es ist fast eine Ironie, dass wir diese Diversität als Problem ansehen, während sie in Wahrheit ein Geschenk ist.“
Kamasi Washington, amerikanischer Jazz-Musiker 2017

Zum Thema Migration
Das genannte Zitat trifft auch auf Deutschland im Jahre 2024 zu. Migration wird in unserer Gesellschaft zunehmend als Problem und Bedrohung wahrgenommen. Oft wird nur darüber diskutiert, wie weitere Zuwanderung verhindert und schnell abgeschoben werden kann. Diese verkürzte Debatte nutzt nur denen, die aus Rassismus und Fremdenfeindlichkeit lautstark eine „Remigration“ von Menschen fordern. Aber Migration findet immer statt, sie ist keine Frage des Wollens. Daher brauchen wir dringend Offenheit für eine breite gesellschaftliche Diskussion. Wir müssen mit dem Thema Migration vor dem Hintergrund großer Fragen auseinandersetzen (Sicherung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, Arbeit und Wirtschaft, demografischer Wandel, Bildung, Gemeinschaft, Humanität und Klimawandel, Frieden und innere Sicherheit). Zugewanderte Menschen und deren Kinder haben hier ein Zuhause gefunden und leisten wertvolle Beiträge zur Entwicklung unserer Gesellschaft in den Bereichen Wirtschaft, Sport und Kultur, Bildung, Verwaltung und Politik. Dies wollen wir in dieser Ausstellung anhand von elf Personen aufzeigen, die zu einem Teil Dithmarschens geworden sind.

Konflikte löst man in einer Streitkultur
Natürlich wissen wir, dass diese elf Personen nicht repräsentativ für alle Zugewanderten stehen. Migrationsgeschichten führen nicht immer geradlinig zum Erfolg. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani weist darauf hin, dass paradoxerweise eine gelungene Integration zunächst zu einer Zunahme von Konflikten führt. Dadurch, dass mehr Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, entsteht Konkurrenz. Bislang Privilegierte müssen die vorhandenen Ressourcen mit neu Hinzugekommenen teilen, die ihrerseits berechtigte Ansprüche und Bedürfnisse formulieren. Aber dadurch entstehen auch neue Ressourcen. „Wenn Integration gelingt, wird die Gesellschaft nicht harmonischer, vielmehr ist die zentrale Folge … ein erhöhtes Konfliktpotential.“ Diese Konflikte müssen gewaltfrei bewältigt werden. Konflikt bedeutet nicht Krise und Spaltung, sondern Zusammenwachsen. Was unsere Demokratie braucht, ist eine positive Streitkultur und keine unklare Leitkultur.

Unser Standpunkt
Integration passiert nicht automatisch. Auch die Zugewanderten müssen ihren Beitrag leisten. Dabei spielt der Spracherwerb eine wichtige Rolle, das zeigen auch unsere elf präsentierten Lebensläufe. Wir können nicht erwarten, dass Integration in jedem Einzelfall gelingt. Wir müssen akzeptieren, dass Veränderungen zu Widerständen führen können, die grundsätzlich nicht unberechtigt sein müssen. Dennoch dürfen wir die Meinungshoheit nicht denjenigen überlassen, die die Diskussion missbrauchen, um unsere freiheitliche Rechtsordnung anzugreifen.

Unser Ziel
Wir wollen mit dieser Ausstellung einen Beitrag zu der genannten Streitkultur leisten. Wir wollen zum Nachdenken anregen und Gespräche in Gang setzen, sowohl mit den ‚Alteingesessenen’ als auch mit denen, die vor längerer Zeit oder erst vor kurzem zu uns gekommen sind.

Für alle Dithmarscher
Sie werden elf interessanten und spannenden Lebensgeschichten begegnen. Sie werden elf Menschen kennen lernen, die zu Dithmarschen gehören und zu seiner Entwicklung beitragen. Die Erfahrungen dieser Menschen können denjenigen helfen, die sich noch auf dem Weg der Integration befinden oder diesen noch vor sich haben. Ihre Arbeitsgruppe „Bildungsformate“ in der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung

Hier geht es weiter zu den Interviews

Fritz Bauer und der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963 – 1965)

Vergangenheitsbewältigung durch Strafprozesse?

Projektskizze von Dr. M. Duncker (2018)

In den 1950er und 1960er Jahren waren die Gerichtsverfahren gegen NS-Verbrecher ein zentrales Medium für die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Theoretisch war der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963 – 1965) als ein solcher politischer Akt auf die Feststellung einer politischen Schuld gerichtet. Dies hätte eine historische Gesamtdarstellung der Geschehnisse in Auschwitz-Birkenau, also eine Darstellung des Holocausts im Zusammenhang mit den deutschen Gesellschaftsstrukturen im Dritten Reich, vorausgesetzt.1 Tatsächlich aber wurden die bundesdeutschen NS-Prozesse im Rahmen der deutschen Strafprozessordnung geführt.2 Es handelte sich beim ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess praktisch also um einen juristischen Akt. Dieser war auf die Feststellung der persönlichen Schuld gerichtet. Ziel des Projektes Die SuS3 des Oberstufen-Profilkurses Geschichte am Gymnasium Heide-Ost lernen verstehen, dass eine Vergangenheitsbewältigung der NS-Vernichtungspolitik durch Strafprozesse allein nicht zu bewerkstelligen war, sondern bis heute eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Sie werden erkennen, dass das deutsche Strafrecht nicht darauf ausgelegt war, einen „systematischen, staatlich betriebenen, bürokratisch organisierten Massenmord“4 zu verfolgen, da die Basis des deutschen Rechts der Subjektivismus ist. Dieser findet seinen Niederschlag in den Grundbegriffen Mord und Totschlag (Motiv), Täter und Gehilfe (Tat) sowie Schuld. Die SuS werden sich mit den praktischen Folgen des subjektiv angelegten deutschen Rechts für den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess auseinandersetzen. Überdies werden sie befähigt, das Spannungsverhältnis zwischen dem Art. 25 GG (Völkerrecht5 ist Bestandteil des Bundesrechts) und dem Art. 103 (2) GG (Verbot rückwirkender Strafgesetze) zu diskutieren.6 Die Arbeitsergebnisse werden in
Form eines Buches der Öffentlichkeit kostenlos zu Verfügung gestellt. 
 

„Anne-Frank-Wanderausstellung“ am Gymnasium Heide-Ost

(in Kooperation mit der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung sowie Gegen Vergessen – Für Demokratie)

Projektskizze von Dr. M. Duncker (2017)

Das Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank (1929 -1945) steht symbolisch für den Völkermord an den europäischen Juden im Zuge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Überdies gewährt dieser Text intime Einblicke in die Gedankenwelt einer jungen, äußerst begabten Schriftstellerin. In der Ausstellung werden die ersten Lebensjahre des Mädchens in Frankfurt am Main, dann ihr Aufenthalt in Amsterdam sowie ihre schrecklichen Erlebnisse in den Lagern Westerbork, Auschwitz und Bergen-Belsen dargestellt. Die persönliche Geschichte von Anne Frank wird verknüpft mit der Geschichte der 1920er und 1930er Jahre, der einsetzenden Judenverfolgung, des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts. Es werden die Perspektiven der Verfolgten und ihrer Helfer, aber auch jene der Mitläufer und Täter dargestellt. 

Ziel des Projekts
Das Anne Frank Zentrum Berlin arbeitet seit Jahren erfolgreich mit der Peer Education-Methode. Hierbei engagieren sich Jugendliche ab 16 Jahren als Ausstellungs-Teamer bzw. Peer Guides. In einem zweitägigen Seminar werden die Schülerinnen und Schüler einer 8. Klasse des Gymnasiums Heide-Ost mit den Inhalten und Hintergründen der Ausstellung sowie den Methoden der Vermittlung vertraut gemacht. Die Peer Guides vermitteln die Thematik anderen Jugendlichen und regen somit intensive Gespräche „auf Augenhöhe“ an. Das
zentrale Ziel des Projekts ist, dass im Anschluss an die Ausbildung die SuS der 8. Klasse die Besuchergruppen selbstständig durch die Ausstellung führen werden.

Rahmenprogramm
Die Ausstellung soll durch ein Programm umrahmt werden. Ziel ist es, möglichst viele Zugänge zu den in der Wanderausstellung aufgerissenen Themen und aufgeworfenen Fragen zu finden und zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit der Geschichte anzuregen. Hierbei stehen folgende Möglichkeiten im Raum: Zusammenarbeit mit dem jüdischen Museum in Rendsburg (Spurensuche zur Lokalgeschichte im NS), Vorträge, Filmvorführungen, Lesungen, Zeitzeugengespräche (vor allem auch mit Opfern von Anschlägen von Neonazis in jüngster Vergangenheit). 

Durchführung, Zeitrahmen und Kosten
Die Wanderausstellung wird vom Anne Frank Zentrum Berlin für vier Wochen zur Verfügung gestellt. Als möglicher Zeitrahmen werden die Monate Mai bis Juni 2017 anvisiert, eine konkrete Terminierung steht aktuell noch aus. Zum Leistungspaket gehören u.a. der Transport der Ausstellung, der Auf- und Abbau durch Techniker des Anne Frank Zentrums Berlin, die Versicherung der Ausstellung, die fachkundige Wartung der Ausstellung im Ausstellungszeitraum, das Trainings- und das Feedbackseminar sowie auch
das Werbematerial. Die Kosten für die Wanderausstellung belaufen sich auf insgesamt 6000 Euro.


P.S.: Die Trägerorganisation dieser Wanderausstellung ist das Anne Frank Zentrum Berlin.

 

Musiker und Musik in Konzentrationslagern – Missbrauch und Inszenierung

Abiturkurs des 11. Jahrgangs des Musischen Profils am Gymnasium Heide-Ost

Projektskizze von Dr. M. Duncker (2016/17)

In den meisten Konzentrationslagern spielte die Musik in vielerlei Hinsicht eine bedeutende Rolle, wenn auch unter widrigen Umständen und mit perfiden Absichten eingesetzt oder erlaubt. Musik wurde in mehrfacher Hinsicht funktionalisiert: Sei es zur bewussten Diffamierung der Menschen, zur Herstellung einer „Illusion der Freiheit“ mit positiver Außenwirkung oder – aus der Sicht der Häftlinge – um gegen die Umstände zu protestieren oder einfach nur den eigenen Schmerz auszudrücken und zu verarbeiten.
Unterrichtsgegenstand soll die Betrachtung des Alltags dieser inhaftierten Musiker sowie deren Auseinandersetzung mit der Situation sein. Auf der Grundlage verschiedener Musikerbiografien, wie z. B dem bekannten Pianisten und Komponisten Victor Uhlmann, sollen die Schüler an den bedrohlichen Alltag eines Musikers in den Konzentrationslagern herangeführt werden. Ziel des Projektes Die Schüler sollen im Rahmen des fächerübergreifenden Unterrichts (Geschichte, Musik, Darstellendes Spiel) den Einsatz, bzw. Missbrauch der Musik nachvollziehend begreifen und nachempfinden.Abschließend soll aus allen drei Fächern einem öffentlichen Publikum abendfüllendes Programm präsentiert werden. (Schauspiel: Erfinden einer fiktiven Handlung in „irgendeinem“ der Lager des NS-Regimes auf der Grundlage von Berichten Überlebender; Geschichte: Auseinandersetzung mit dem psychologischen
und funktionalen Einsatz von Musik; Musik: Analyse und Einstudierung von verschiedenen Kompositionen und Liedern, die im KZ entstanden sind) 

Durchführung und Zeitrahmen
Das Projekt startet mit dem 2. Semester des Schuljahres 2016/17. Eröffnet wird dieses Projekt mit einer Kursfahrt nach Theresienstadt mit eine Führung zum Thema vor Ort, in der die Musik in vielerlei Hinsicht eine wichtige Rolle spielte und die naheliegende Stadt Prag. Abgeschlossen soll die Unterrichtsreihe Ende des Halbjahres mit einem abendfüllenden Programm aus Musik, Theater und einfließendem geschichtlichen Hintergrund. 
 

Vernichtungskrieg – der andere Holocaust

Der rassenideologisch begründete Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion als Voraussetzung für den NS-Völkermord

Das Projekt „Vernichtungskrieg – der andere Holocaust“ der jetzigen 13. Klasse des Gymnasiums Heide-Ost unter der Leitung ihres Geschichtslehrers Dr. Duncker sowie unserer Stiftung betritt inhaltliches Neuland. Es erhellt einen geschichtlichen Bereich des 2. Weltkrieges, der bisher nicht im zentralen öffentlichen Interesse stand. Die Tötung von ca. 6 Mio. Juden war nicht das alleinige menschenverachtende Ergebnis der NS-Gewaltherrschaft, sondern ebenso die Vernichtung von insgesamt mehr als 20 Mio. Sowjetmenschen. Wie die Geschichtsforschung mehr und mehr verdeutlichen kann, war der Russlandfeldzug Voraussetzung dieser Vernichtungsmaschinerie. In seinem Schatten wurden die Vernichtungslager aufgebaut, in seinem Schatten versuchte man bei Kriegsende vielfach die Spuren durch Einebnung der Mordlager zu vertuschen. Es bedurfte einer akribischen Arbeit umfangreicher Literaturrecherchen mehrerer Arbeitsgruppen, um zu diesem Projektergebnis zu kommen. Die jungen Menschen waren so hoch motiviert, dass sie auch außerhalb des regulären Unterrichts daran gearbeitet haben. Höhepunkt des Projekts war sicher die Reise nach Polen. Herzlich empfangen und vielfach unterstützt wurden alle Mitreisenden bei Jugendbegegnungen in einer Warschauer Musikschule. Dafür danken wir stellvertretend der dortigen Musikschulleiterin Dr. Dorota Paplawska. Ganz besonderes Lob gebührt dem Geschichtslehrer Dr. Duncker für seine umfangreiche Vorarbeit, seine außergewöhnlich gute Zusammenarbeit mit uns, seine gründlichen Recherchen und die vorbildliche Schülermotivation. Das Programm in Polen sah u.a. Konzerte im Warschauer Königsschloss, Stadtbesichtigungen, Besuche des Jüdischen Museums und des Museums des Warschauer Aufstandes, Diskussionen mit polnischen Schülerinnen und Schülern sowie die eindrucksvollen Besichtigungen des Konzentrationslagers Majdanek und des Vernichtungslagers Treblinka vor. Diese Erlebnisse haben nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern tiefe Eindrücke hinterlassen, sondern auch bei den vier Begleitpersonen Dr. Matthias Duncker, Richard Ferret, Ulla Tietz und Berndt Steincke. Die Eltern der Schülerinnen und Schüler haben während der ganzen Projektzeit sehr unterstützend mitgewirkt. Es fanden in den Familien zahlreiche Gespräche über das Thema „Vernichtungskrieg“ statt, so dass die Erkenntnisse weiter verbreitet wurden. Dieses Buch soll eine Belohnung für alle Teilnehmer sein, eine große Verbreitung in der Öffentlichkeit finden und erneut Ansporn für weitere Projekte sein. Archive und öffentliche Einrichtungen erhalten ebenfalls kostenlose Exemplare. Die Stiftung wird auch dieses Buch über ihre Internetseiten www.stiftung-geug-heide.de als runterladbare Datei jedermann kostenlos zur Verfügung stellen. Wir danken den Sponsoren für ihre großzügige finanzielle Unterstützung! Da die Stiftung über keine eigenen laufenden Einnahmen verfügt, ist sie für diese Hilfe äußerst dankbar! Ohne die Sponsoren hätte dieses Buch nicht gedruckt werden können. Mitgeholfen haben bei der Bekanntmachung dieses Vorhabens dankenswerter Weise auch die Dithmarscher Landeszeitung, die Norddeutsche Rundschau, der Norddeutsche Rundfunk – Studio Heide – und der Offene Kanal Westküste. Allen dafür ein herzliches Dankeschön! Der Vorstand und der Stiftungsrat wünschen allen Leserinnen und Lesern eine Vermehrung ihrer Erkenntnisse über dieses wichtige Thema. Es bleibt unser Ziel, junge Menschen gegen diktatorische Entwicklungen in unserer demokratischen Gesellschaft immun zu machen, egal ob die politischen Gefahren von rechts oder links kommen oder ob sie aus neuen Entwicklungen in dieser turbulenten Zeit entstehen. 
 

Im Namen des Volkes?

Über die Justiz im Staat der SED

(2012)

Viele Menschen glaubten nach Ende des 2. Weltkrieges, eine Diktatur werde sich in Deutschland nicht wiederholen. Falsch. Sie hat sich wiederholt, fast bis in die heutige Zeit hinein. Bei Gründung der DDR meinten etliche, nun müsse man ein besseres Deutschland aufbauen. Sie schritten mutig zur Tat, „bewaffneten“ sich aber wieder mit einer politischen Ideologie, dem Sozialismus und Kommunismus. Sie meinten sich durchsetzen zu müssen, um einen neuen gerechten Staat aufbauen zu können. So griffen sie mehr und mehr zu diktatorischen Methoden. Der große Bruder und Befreier Sowjetunion war ihr Partner und Unterstützer. Menschen, welche nach ihrer Meinung noch nicht die geistige Fähigkeit hatten, ihr gutes Werk zu erkennen, mussten eben zwangsweise in die „richtige“ Richtung gestoßen werden. Damit verlor auch dieser Weg seine Unschuld. Es entwickelte sich eine Parteidiktatur, die sich immer mehr von Freiheit und Realität entfernte. Nach einer Studie der Freien Universität Berlin von 2008 ist das Wissen deutscher
Schüler/-innen um die Zustände in der früheren DDR höchst defizitär. So soll z.B. nur jeder Dritte wissen, dass die DDR die Mauer gebaut hat. Ebenfalls ein Drittel ist der Meinung, dass Adenauer und Brandt DDR-Politiker waren. Viele meinten, die Umwelt sei in der DDR sauberer gewesen als in der Bundesrepublik. Den Rentnern soll es nach der Umfrage besser als in der Bundesrepublik gegangen sein und von der Todesstrafe in der DDR wussten nur 27,1 Prozent. 48 Prozent der Schüler aus Ostberlin sahen die DDR nicht als eine Diktatur an und hielten Honecker für demokratisch legitimiert. Hinzu kommt in jüngster Zeit eine zunehmende Verklärung der Geschichte dieses totalitären Staates. Die Ausstellungen über das DDR-Justizsystem haben deutlich gemacht, wie wichtig, ja unverzichtbar, die verfassungsmäßige Gewaltenteilung in unserem Staat ist. Dieses im Grundgesetz verankerte demokratische Prinzip ist für uns schon so selbstverständlich, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie es 1933 bis 1945 zur NS-Diktatur und anschließend zur DDR-Parteidiktatur kommen konnte. 

Die Gewaltenteilung in Gesetzgebung (Legislative), Vollziehung (Exekutive) und Rechtsprechung (Judikative) ist ein hohes existentielles Gut unserer Demokratie, für welches es sich zu streiten lohnt, denn es ist die Grundlage unserer Freiheit. Den Leserinnen und Lesern wünsche ich eine interessante Lektüre und hoffe, dass damit auch die notwendige Erinnerungs- und Aufarbeitungskultur zum Nutzen der Demokratie in unserem Lande verbessert wird. Die Stiftung verfügt als laufende Einnahme nur über die jährlichen Zinsen aus einem kleinen Stiftungskapital. Deshalb sind wir für unsere ehrenamtliche Arbeit auf Spenden angewiesen. Alle beteiligten Schüler und Lehrer erhalten ein kostenloses Buchexemplar als Dank und Motivation für weitere Projekte.
Archive im Lande, der Offene Kanal Westküste, die Heider Stadtwerke, Zeitungen, Radio und Fernsehen haben uns ebenfalls unterstützt, dieses Thema publik zu machen, und für den Besuch der Ausstellungen geworben. Dieses Buch wurde mit professioneller Hilfe des Journalisten Birger Bahlo erstellt, dem ich für seine engagierte Hilfe herzlich danke. Als Vorsitzender der Stiftung möchte ich mit diesem Buch vor allem die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler aus Heide, Brunsbüttel und Marne würdigen. Diesen Dank darf ich auch im Namen des Vorstandes und des Stiftungsrates ausdrücken. Die jungen Leute haben mit ihren Ergänzungen der professionellen Ausstellung aus Berlin mit selbst erstellten Ausstellungstafeln, Modellen, Zeitzeugenberichten,
Theateraufführungen und musikalischen Beiträgen eine wichtige Arbeit geleistet und dadurch das Thema über ihre Schulen hinaus auch in die Öffentlichkeit getragen. Ohne die große Hilfe des Bundesjustizamtes in Bonn und des Bundesjustizministeriums in Berlin hätte ich die Finanzierung der Ausstellungen nicht geschafft. Mein ganz herzlicher Dank gilt deshalb dem Referatsleiter Herrn Udo Weinbörner und der Referentin Frau Dr. Helia-Verena Daubach in Bonn für ihre überaus hilfreiche Unterstützung. Auch viele Persönlichkeiten der Fachhochschule Westküste und der Heider, Marner und Brünsbütteler Schulen haben zum Gelingen beigetragen.
Tragisch und für mich ein schwerer Schlag war der plötzliche Tod meines Freundes und Vorsitzenden Klaus Steinschulte im September 2011. Überaus engagiert hat er die Ausstellungen mit auf den Weg gebracht, konnte ihren Erfolg jedoch nicht mehr
miterleben. Kurze Zeit darauf verstarb überraschend auch das Stiftungsratsmitglied Gert Glüsing. Er hatte die Stiftung in selbstloser Arbeit jahrelang erfolgreich bei der Recherche von verstorbenen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern und mit der Präsenz bei unseren Info-Ständen unterstützt. 
 

„Den Opfern einen Namen geben“

Das Massengrab sowjetischer Kriegsgefangener am Westermoorweg in Heide

Vor rund 60 Jahren hielten die Züge mit russischen Kriegsgefangenen an der sogenannten Schweineweide an. Man öffnete die Türen der Viehwaggons und zog die toten Gefangenen heraus. Sie wurden an Ort und Stelle verscharrt. Diese Menschen verloren noch im Tod ihre Würde. Gleiches geschah den Gefangenen, die im Lager an der Heider Rennbahn oder in den Umlandgemeinden starben.
Schülerinnen und Schüler einer 12., später 13. Klasse des Werner-Heisenberg- Gymnasiums haben sich mit der Geschichte dieser Menschen und des Kriegsgräberplatzes beschäftigt und ein erstaunliches Ergebnis erzielt. Zusammen mit dem Mitglied des Stiftungsrats Gerd Glüsing konnten über 60 Namen der toten Russen ermittelt werden. In einer feierlichen Gedenkstunde wurden die Namen verlesen und damit der Versuch unternommen, den Gefangenen ihre Würde zurückzugeben. Wir denken, dies ist gelungen.
Die Geschehnisse vor über 60 Jahren liegen für Jugendliche so weit zurück wie andere historische Ereignisse, zu denen sie keinen Bezug haben. Deshalb entsteht sehr schnell der Eindruck von Desinteresse. Dies ist eine Fehleinschätzung. Die Arbeit der Schüler/innen des Werner-Heisenberg-Gymnasium ist für uns der Beweis dafür, dass junge Menschen sich sehr wohl mit ihrer Geschichte auseinandersetzen wollen und sie letztlich akzeptieren und daraus lernen. „ Wer seine Vergangenheit nicht kennt und daraus lernt, wird sie noch einmal erleben müssen!“ Dies wird nach unserer Einschätzung diesen Schülerinnen und Schülern nicht passieren.
Wir hoffen, dass die Beiträge in dieser Broschüre den fast vergessenen Kri egsgräberplatz wieder in das Bewusstsein der Heider Bevölkerung rücken. Wir alle sollten uns erinnern und uns mit Respekt vor den Toten verneigen. Unser Dank für die Arbeit gilt den Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrerinnen Frau MüllerHelfrich und Frau Bäumler. 

Berndt Steincke – auch im Namen von Klaus Steinschulte
(Vorsitzende der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung) 
 

Justiz im Nationalsozialismus

Vorwort der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung aus 2009

Wir haben dieses Buch mit professioneller Hilfe erstellt, um erstens die Arbeiten vieler junger Menschen aus Schleswig-Holstein zu diesem Thema anzuerkennen. Wir wollen zweitens aufzeigen, mit welcher Offenheit alle Gerichte dieses Projekt unterstützt haben. Und drittens soll das Thema „Justiz im Nationalsozialismus“ insbesondere für junge Menschen eine Mahnung für die Zukunft ewirken.
Die Ausstellungsreihe startete im Amtsgericht Meldorf und lief nacheinander über das ganze Jahr 2010 in den Landgerichten Kiel, Lübeck, Flensburg, Itzehoe und im Oberlandesgericht Schleswig. In Schleswig-Holstein war diese Initiative aus unserer Sicht besonders wichtig, weil sich viele andere Bundesländer längst diesem Thema gewidmet hatten. Wir danken deshalb auch Herrn Knauer von der Gedenkstätte Wolfenbüttel für die Bereitstellung des ersten und größten Teils unserer Ausstellung. Ebenso wichtig war es uns, die frühere Ausstellung des Oberlandesgerichts Schleswig über unsere landesspezifische NS-Justiz-Geschichte wieder zu beleben. Besonders gefreut hat uns jeweils der 3. Teil der Ausstellung: Die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler aus den jeweiligen Ausstellungsorten. Sie haben während des Unterrichts mit ihren Lehrerinnen und Lehrern und teilweise sogar während ihrer Freizeit recherchiert. Sie suchten Zeitzeugen auf, besuchten das Landesarchiv und ihre örtlichen Archive. Sie erzählen Geschichten, die schon in Vergesssenheit geraten waren. In jedem Ausstellungsort wurden neue Tafeln über ihre Recherchen erarbeitet und der Öffentlichkeit gezeigt. Bei allen Schulbesuchen waren wir angetan von der Aufgeschlossenheit und konzentrierten Mitarbeit dieser jungen Menschen. Es zeigte sich bei den Gesprächen, dass die Aufarbeitung und Schilderung von Einzelschicksalen zu einer tiefen Betroffenheit und dadurch zum besonderen Engagement und der Einsicht führte, solche dunkle Zeit in unserem Land nie wieder entstehen zu lassen. Erfreulich war ebenfalls, dass die Ausstellungen in allen Orten von einer großen Zahl von Schulklassen besucht wurden. Auch aus der Politik haben wir für diese Ausstellungsreihe große Unterstützung erhalten. Wir danken deshalb dem Landtagspräsidenten Torsten Geerdts, dem früheren Justizminister Uwe Döring, dem jetzigen Justizminister Emil Schmalfuß und dem
Innenminister Klaus Schlie für ihre Grußworte bei den Ausstellungseröffnungen. Wir danken auch Bürgermeistern, Bürgervorstehern, Stadträten und ehemaligen Politikern für ihre Wortbeiträge. Historiker und Richter trugen durch ihre Vorträge dazu bei, diesem Thema den notwendigen sachkompetenten Hintergrund und die angemessene Aufmerksamkeit zu geben. Unsere Stiftung verfügt als laufende Einnahme nur über die jährlichen Zinsen aus einem kleinen Stiftungskapital. Deshalb sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Dieses Buchprojekt ist daher nur durch die finanzielle Mithilfe der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein in Kiel und der Bürgerstiftung SH Gedenkstätten in Rendsburg möglich geworden. Dafür sagen wir ganz herzlichen Dank! Wir sagen auch Danke den vielen Helfern, die uns mit Dienstleistungen z.B. beim Aufbau der Ausstellungen und mit Sachspenden unterstützt haben. So erhielten wir wiederholt von der Fa. Pingel-Witte in Heide kostenlos Plakate, von der Fa. Autoshop 2000 kostenlos den Anhänger für unsere Transporte, kleine Geldspenden von Heider Bürgerinnen und Bürgern, die Hilfe der Banneraufhängung am Meldorfer Amtsgericht von der Meldorfer Feuerwehr, musikalische Hilfe insbesondere der Dithmarscher Musikschule, wissenschaftliche Unterstützung verschiedener Archive im Lande, technische Hilfe des Offenen Kanals Westküste und die Unterstützung von den Heider Stadtwerken. Zeitung, Radio und Fernsehen haben uns in etlichen Orten ebenfalls unterstützt, dieses Thema publik zu machen und für den Besuch der Ausstellungen geworben. Besonders danken wir dem Landesarchiv in Schleswig, welches vielen Schulklassen bei der Suche nach Einzelschicksalen geholfen hat. Auch die Tatsache, dass unsere Ausstellung zwischenzeitlich von der Polizeiakademie Lübeck und vom Arbeitskreis 27. Januar in Eutin angefordert und dort gezeigt wurde, hat uns gefreut.
Für den Start unseres Projektes war auch der Zuspruch des Buchautors Klaus-Detlev Godau-Schüttke von großer Bedeutung. Das Ergebnis dieser landesweiten Ausstellungsreihe ist nicht in Zahlen messbar. Wir sind aber davon überzeugt, dass alle daran beteiligten jungen Menschen gegen rechtsrdikale Tendenzen immunisiert wurden und auch gegenüber neuen Gefahren von politischem Extremismus wachsam bleiben, aus welcher Richtung er auch immer kommen mag. Diese Ausstellung hat deutlich gemacht, wie wichtig, ja unverzichtbar, die verfassungsmäßige Gewaltenteilung in unserem Staat ist. Dieses im Grundgesetz verankerte demokratische Prinzip ist für uns schon so selbstverständlich, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie es 1933 – 1945 zur NS-Diktatur kommen konnte. Die Gewaltenteilung in Gesetzgebung (Legislative), Vollziehung (Exekutive) und Rechtsprechung (Judikative) ist ein hohes existentielles Gut unserer Demokratie, für welches es sich auch zu streiten lohnt. Dem Leser wünschen wir mit diesem Buch eine interessante Lektüre und hoffen, dass damit die notwendige Erinnerungs- und Aufarbeitungskultur zum Nutzen unserer Demokratie in unserem Lande verbessert wird.  

„Leben und Arbeiten unter Zwang“

Dithmarschen 1939 – 1945

Im Sommer 2008 entstand im Rahmen des Projektunterrichts der 13. Jahrgangstufe des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Heide ein Projektkurs zum Thema „Zwangsarbeit in Dithmarschen während des Zweiten Weltkriegs“. Unser Kurs bestand aus 16 Schülerinnen und Schülern, war einer von vier Projektkursen, die uns angeboten worden waren und für die wir uns individuell entscheiden konnten. Angeregt wurde dieser Kurs durch die in Heide ansässige „Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung“, die ein gemeinsames Projekt vorschlug. Anlass hierfür war eine kleine Grabanlage am Rande des Südfriedhofs, die die sterblichen Überreste von Zwangsarbeitern aus dem Zweiten Weltkrieg beherbergt, deren Namen und Lebensumstände zum Teil noch im Dunkeln liegen.

Nach einem ersten Besuch der Grabanlage und einem gemeinsamen Treffen in den Räumlichkeiten der Stiftung verfestigte sich unser gemeinsames Ziel. Dieses beinhaltete eine bessere Aufklärung über die Gesamtthematik mit einem besonderen Augenmerk auf die Situation in Dithmarschen und eine Aufhellung der Hintergründe der Grabanlage. Hierfür wurden von uns Schülern, in Gruppen oder auch einzeln, Facharbeiten zu verschiedenen Themen der Zwangsarbeit geschrieben, die in gekürzter Form in dieser Broschüre veröffentlich werden. 

Mithilfe des Studiums von Primär- und Sekundärliteratur und der Befragung von Zeitzeugen entstand in gemeinsamer Arbeit dieses Heft, welches dem Leser eine Vielfalt an Informationen bieten soll. Jeder Artikel zeigt, aufgrund des individuell gesetzten Schwerpunktes des Verfassers, eine jeweils andere Facette der Gesamtthematik auf. Unterstützung erfuhren wir Schüler von unseren Lehrern Claus-Peter Kock und Martin Stark, von Herrn Glüsing, der in Heide ansässigen „Stiftung gegen Extremismus und Gewalt“, Herrn Pehrs, dem Büroleiter der Stiftung und der St. Jürgen Gemeinde in Heide. Hiermit wollen wir allen herzlichst für ihre Unterstützung danken. Insbesondere möchten wir uns auch bei den Menschen bedanken, die bereit waren sich an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte zu erinnern und uns damit wertvolle Beiträge für diese Broschüre lieferten. 
 

Zuhören. Erinnern. Verstehen.

In vielen unserer Projekte steht das gesprochene Wort im Mittelpunkt – vor allem dann, wenn Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, Expertinnen und Experten oder engagierte junge Menschen ihre Perspektiven teilen. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen ausgewählte Audiomitschnitte aus Veranstaltungen, Gesprächen und Projektdokumentationen zur Verfügung.

Eine 12. Klasse des Gymnasiums Heide-Ost hat mit ihrem Lehrer Dr. Matthias Duncker nach fast 2-jähriger Vorbereitungs- und Arbeitszeit das Unterrichtsprojekts -Der Nahostkonflikt- durch eine virtuelle Ausstellung im Jüdischen Museum in Rendsburg fertiggestellt.

(Dauer: 4 Minuten)

10 Jahre Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung - Hördatei mit einem Interview des Offenen Kanals Westküste mit dem Vorsitzenden Berndt Steincke.

(Dauer: 8 Minuten)

Hördatei mit dem Grußwort des Bundestagsabgeordneten Jörn Thiessen über die unglaubliche Rede des damaligen des SS-Führers Heinrich Himmler vom 4.Oktober 1943 vor Aufsichtspersonal von Konzentrationslagern.

(Dauer: 5 Minuten)

Hördatei mit dem Grußwort des Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing beim Freiluftgottesdienst auf dem Heider Südfriedhof. (Kriegsgräberprojekt Heide)

(Dauer: 6 Minuten)

Hördatei der Abschlussrede Berndt Steinckes bei der Ausstellungseröffnung mit anschließendem Interview der (sog. halb-) jüdischen Zeitzeugin Ingrid Wecker aus Marne. (Haben wir nichts gewusst?)

(Dauer: 23 Minuten)