Filmvorführung „Kriegsgräbergedenkstätte Westermoorweg“

Die Stiftung als Gast bei „Aktionsbündnis Demokratie Dithmarschen“ mit der Dokumentation „Kriegsgräbergedenkstätte Westermoorweg“

Einführung zur Präsentation unseres Films über die „Kriegsgräber-Gedenkstätte am Westermoorweg“ am 03.03.2026 im Bürgerhaus/Aktionsbündnis Demokratie Dithmarschen

 

Dieser Film ist das Ergebnis einer mehr als zweijährigen Auseinandersetzung mit der Gedenkstätte am Westermoorweg: Recherchen im Heider Stadtarchiv, die Analyse von Darstellungstexten und zahlreiche Gespräche bildeten seine Grundlage.

Ein solches Projekt ist nur durch die Unterstützung vieler möglich. Mein Dank gilt dem Team der Bildungsformate unserer Stiftung sowie den beteiligten Schülerinnen und Schülern der Begabtenförderung Geschichte am Gymnasium Heide-Ost, die sich über zwei Jahre hinweg an jedem Freitagnachmittag engagiert eingebracht haben – vor und hinter der Kamera.

Ebenso danken wir der „Partnerschaft für Demokratie Dithmarschen“. Ohne ihre finanzielle Unterstützung wäre dieses Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen.

Unser Ziel war es, nicht nur historische Fakten zur Gedenkstätte zu vermitteln, sondern auch die Perspektiven junger Menschen sichtbar zu machen: Welche Fragen richten sie an diesen Ort und an die Vergangenheit? So sollte ein Raum für Austausch und Diskussion entstehen. Auch das ist Demokratiebildung: die Erfahrung, dass demokratisches Zusammenleben vom Gespräch und vom gemeinsamen Ringen um Verständnis lebt. Dieser Film ist selbst aus einem solchen Prozess hervorgegangen.

Er informiert nicht nur, sondern bewegt und regt dazu an, sich intensiver mit dem System der Zwangsarbeit in Dithmarschen während des Zweiten Weltkriegs auseinanderzusetzen.

Ein besonderer Dank gilt dem Videografen Carlos Arias. Er hat gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern das Drehbuch entwickelt, die Dreharbeiten vorbereitet, das Rohmaterial geschnitten und die Animationen umgesetzt.

Seine Arbeit gab den Gedanken, Fragen und Bildern der Schülerinnen und Schüler eine filmische Form. Aus dieser gemeinsamen künstlerischen Auseinandersetzung entsteht ein Blick auf den Krieg, der nicht nur Geschichte erzählt, sondern auch seine zerstörerische Gewalt spürbar macht.

Der Krieg ist ein hungriges Monster. Ein Monster, das von Menschenfleisch lebt – und niemals satt wird.

Der Zweite Weltkrieg, der sich durch seine unfassbare Grausamkeit für immer in das Gedächtnis der Menschheit eingebrannt hat, war wohl das hungrigste dieser Monster. Der vom nationalsozialistischen Größenwahn getriebene Krieg brauchte Soldaten. Er brauchte Nahrung. Er brauchte Waffen. Und all das erforderte eines: Arbeitskräfte.

Doch viele Männer wurden aus Industrie und Landwirtschaft an die Front geschickt. Es fehlten die Zahnräder der Kriegswirtschaft in der Heimat. Die zunächst angeworbenen Zivilarbeiter aus dem Ausland konnten den Bedarf bei Weitem nicht decken. Also wurden aus den besetzten Gebieten Europas – insbesondere aus dem Osten – Männer, Frauen und Kinder aus ihrem Leben gerissen, um Deutschland im Krieg gegen ihre eigene Heimat zu dienen.

Für den Einsatz außerhalb des Reichsgebietes existieren keine verlässlichen Zahlen. Sie dürften jedoch noch um ein Vielfaches höher liegen als die rund 13,5 Millionen ausländischen Arbeitskräfte im Gebiet des sogenannten Großdeutschen Reiches.

Auch bei uns in Schleswig-Holstein stiegen die Zahlen der Deportierten und erreichten ihren Höhepunkt Ende 1944. Rund 134.000 Fremdarbeiter – ein Drittel davon Frauen und Mädchen – wurden hierher deportiert, um in Industrie und Landwirtschaft zu arbeiten.

Wer verschleppt wurde, aus Heimat, Familie, Freundeskreis oder Ehe gerissen, konnte kaum mit einer Rückkehr rechnen. Nur wenige Ausnahmen – etwa bei schweren Krankheiten oder anfangs bei Schwangerschaften – sind bekannt.

Zwischen 80 und 95 Prozent der Bauernhöfe hatten mindestens einen – euphemistisch formuliert – „Fremdarbeiter“. Besonders Menschen aus dem Osten, vor allem aus Polen, der Ukraine, Russland und Weißrussland, wurden innerhalb der rassistischen Ideologie besonders gedemütigt. Ein Aufnäher mit den Buchstaben „OST“ oder ein „P“ für Polen machte sie für alle sichtbar – und markierte sie als sogenannte Menschen zweiter Klasse.

Das Verhalten der deutschen Arbeitgeber war unterschiedlich. Manche handelten weniger brutal, andere mit äußerster Grausamkeit. Oft entschied das reine Glück darüber, ob dieser wahr gewordene Albtraum zumindest körperlich überlebt werden konnte – oder ob exzessive Prügelstrafen, Erniedrigungen und Isolation zur nie endenden Zermürbung führten.

Und selbst die Gedanken waren nicht frei:

Ein abgefangener Brief der polnischen Zwangsarbeiterin Irena, in dem sie die Demütigungen in ihrer Zwangsheimat Lübeck schilderte und den sie mit angedeuteten Suizidgedanken beendete, wurde als Ausdruck „deutschlandfeindlicher Gesinnung“ gewertet. Das Strafmaß: drei Jahre verschärftes Straflager. Ihr weiterer Verbleib ist unbekannt.

Doch nicht nur in Lübeck. Auch hier, direkt in Heide, spielten sich solche Szenen ab.

Die ausgehungerten und oft kranken Zwangsarbeiter hatten meist eine schreckliche Verschleppung hinter sich. 40 oder 50 Menschen – vielleicht noch mehr – wurden in Viehwaggons gepfercht. Tagelange Fahrten unter Hunger, Durst und ohne sanitäre Anlagen wurden für viele zur letzten. Tote wurden unterwegs aus den Waggons geworfen.

Auch hier in Heide – an der alten Schweineweide. Heute ist dieser Ort eine Grab- und Gedenkstätte für die verstorbenen Zwangsarbeiter. In seiner jetzigen Form entstand er durch ein gemeinsames Projekt des Werner-Heisenberg-Gymnasiums und der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung.

Dort wurden die Toten aus den Waggons geworfen – noch bevor der Zug in den Heider Bahnhof einfuhr. Die makabre Begründung lautete: Deutschen Reisenden sollte dieser Anblick nicht zugemutet werden.

Nach der Ankunft wurden die Verschleppten vom Bahnhof zum Arbeitsamt gebracht. Dort konnten Betriebe und Höfe sie begutachten – und auswählen.

Und diese Zwangsarbeiter waren im Alltag sichtbar. Dies beweist das Schreiben des Landrates vom 18. November 1941. Dieser wies an, dass in Schulen, bei der Arbeit und in öffentlichen Stellen die Bevölkerung darüber aufzuklären sei, dass jeglicher Kontakt zu den Deportierten zu unterlassen sei. Missachtung könne mit Schusswaffengebrauch durch Wachmannschaften geahndet werden. Mitleid sei fehl am Platz. Durch „unsoldatische Weise“ und „sinnlosen Gebrauch von Nahrungsmitteln“ hätten die „Bolschewisten“ ihre Ernährungsschwierigkeiten selbst verschuldet.

Doch was geschah nach diesem schrecklichen Krieg?

Das Bundesentschädigungsgesetz von 1956 stellte Zwangsarbeit unter haftähnlichen Bedingungen zwar einem entschädigungspflichtigen Freiheitsschaden in Aussicht. Anspruchsberechtigt waren jedoch nur Personen mit Wohnsitz oder dauerhaftem Aufenthalt in Deutschland. Da 95 Prozent der ehemaligen Zwangsarbeiter in Osteuropa lebten, hatten sie keinen Zugang zu diesen Leistungen.

Eine umfassende Aufarbeitung blieb ebenso aus und weist bis heute Lücken auf.

Auch in Heide zeigt sich dies – in der bis heute gebräuchlichen und sachlich falschen Bezeichnung „Russenfriedhof“ spiegelt sich dies wider. Einige haben von ihm gehört. Weniger waren dort. Und noch weniger wissen, dass dort nicht nur Russen, sondern auch Ukrainer, Polen und andere Nationalitäten begraben liegen.

Zu einem „Nie wieder“ an Unterdrückung, zu einem „Nie wieder“ an Tyrannei, zu einem „Nie wieder“ an Menschenverachtung gehört jedoch der sorgfältige Blick auf das Vergangene.

Und besonders auf das lokale Vergangene. Denn nicht nur in Auschwitz, Treblinka oder Bergen-Belsen wurden Menschen in einen anonymen Tod geschickt. Sondern auch hier. Hier in Heide.