Starten wir direkt mit einigen Fragen zu Ihrer Migrationsgeschichte: Aus welchen Beweggründen sind Sie hierhergekommen? Wie verliefen Ihre ersten Kontakte in Deutschland? Wie war Ihr Werdegang nach Ihrer Ankunft?
Ich bin zusammen mit meinem Mann nach Deutschland gekommen, weil wir für uns bessere Lebensbedingungen wollten. Er hat einen Job am WKK Heide gefunden und daher erfolgte der Umzug nach Dithmarschen.
Am Anfang war es sehr schwer, neue Kontakte zu knüpfen und neue Freundschaften zu schließen. Erste Bekanntschaften machte ich durch einen Deutschkurs in Hamburg. Man muss sich Zeit geben, um die Sprache zu lernen und sich zu integrieren. Danach wurde es besser. Jetzt haben wir viele gute Freunde, die unser Leben hier schöner machen.
Nach meiner Ankunft habe ich mich erst auf die Sprache konzentriert, weil ich das sehr wichtig fand. Ich wollte die Sprache gut beherrschen, um meine berufliche und private Lebensqualität zu verbessern. Als ich in der Sprache sicher war, habe ich mich auf einige Arbeitsangebote beworben. Glücklicherweise habe ich schnell einen Job gefunden und seitdem konnte ich mich auf meine Karriere konzentrieren und mich beruflich weiterentwickeln.
Was war konkret anders? Gab es auch Überforderungen?
Ich hatte am Beginn großes Heimweh. Meine Heimat ist der Ort, an dem ich aufgewachsen bin und Familie und Freunde habe. Dort sind der Lebensstil und die Kultur anders als hier. Diese kulturellen Unterschiede zu überwinden, war für mich die große Herausforderung. In unserer Heimat sind wir es gewohnt, viel draußen in Cafés, Bars und Kneipen mit unseren Freunden Abendstunden nach der Arbeit zu genießen oder am Wochenende länger in der Stadt zu bleiben, Konzerte und Theater zu besuchen. Für mich war das eine große Enttäuschung und ein Schock, als ich mit meinem Mann am Wochenende ausgehen wollte und das Stadtzentrum war ab 22 Uhr leer. Auch im Sommer. Bei uns sind Menschen offener und entspannter, freuen sich, jemanden kennenzulernen, der neu ist. Hier hat es eine bestimmte Zeit gedauert, jemanden kennenzulernen und gute Freundschaften zu schließen.
Welche Erfahrungen haben Sie mit der deutschen Bürokratie gemacht?
Wir hatten zum Glück den Ansprechpartner am WKK Heide, der uns viel geholfen hat. Dank seiner Unterstützung haben wir die deutsche Bürokratie als nicht so kompliziert oder schlimm angesehen.
Was fehlt Ihnen in Dithmarschen am meisten?
Da ich selber aus einer großen Stadt komme, wünsche ich mir auch hier mehr Kultur- und Freizeitangebote für mich und meine Familie. Es wäre schön, wenn das Leben in Heide moderner und attraktiver wäre.
Haben Sie sich inzwischen an die deutsche Mentalität gewöhnt, sich daran angepasst, dass man Termine abspricht, bevor man sich trifft?
Das kommt darauf an. Auch in Deutschland sind Mentalitäten sehr unterschiedlich. Die Pünktlichkeit und Organisation bei der Arbeit finde ich selber sehr gut und hilfreich, aber mit Terminen im Alltag bin ich nicht so zufrieden. Im Alltag mag ich mehr, wenn die Menschen spontan und locker sind. Aber das sind viele Deutsche auch.
„Näher kennen lernen“ ist ein gutes Stichwort - Was für Hobbys haben Sie?
Ich mache regelmäßig Yoga, um mich zu entspannen und auch um Stress abzubauen.
Um den Alltag hinter mir zu lassen, backe ich gerne Kuchen und Kekse. Wenn das Wetter mitspielt, fahre ich gerne Fahrrad mit meiner Familie oder wir gehen ins Schwimmbad.
Welche Rolle spielt die Küche? Hören Sie lieber serbische oder deutsche Musik, lesen Sie deutsche oder serbische Bücher?
Wir haben sehr viele Traditionen aus unserer Heimat beibehalten und das bedeutet zum Beispiel, dass ich wie meine Mama koche, weil ich es so gelernt habe. Andererseits esse ich auch gerne Käsekuchen. Den gibt es bei uns nicht. Ich finde es lecker und backe ihn daher auch. Das ist für mich kein Problem. Ich mache keine so großen Unterschiede und versuche, aus jeder Kultur und jeder Küche etwas Interessantes herauszuziehen.
Ich war nie so sehr mit serbischer Musik verbunden. Deutsche Musik höre ich, weil meine Kinder sie hören. Ich bin mehr an englischer Musik interessiert.
Was ich lese? Zurzeit habe ich leider keine Zeit zu lesen, unter anderem wegen der Kinder.
Gibt es etwas, was Sie hier zum ersten Mal kennen gelernt haben und besonders schätzen, weil es in der Heimat fehlt?
Zu Hause fehlt mir die Organisation, vor allem bei der Arbeit. Wir sind mehr spontan, sprunghaft, machen gleichzeitig verschiedene Sachen, dementsprechend sind manche Bereiche unseres Lebens nicht gut organisiert bis komplett desorganisiert.
Ich habe hier von meinen deutschen Kolleginnen Struktur und Organisation gelernt und ich versuche, nun auch so systematisch zu arbeiten.
Was wünschen Sie sich noch für Ihr Leben in Dithmarschen, außer besserem Wetter?
Definitiv mehr Kulturleben, das bedeutet Konzerte, Live-Musik, Theater, Musicals, Veranstaltungen, wo sich auf einem Platz viele Menschen gleichzeitig treffen können etc. Es fehlt ein vielfältiges Angebot für die Menschen in meinem Alter oder jünger. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir nicht immer nach Hamburg oder irgendwohin anders fahren müssten, nur um ein bisschen Spaß zu haben. Warum können wir das nicht in unserer Stadt Heide auch machen? Es hat sich auch in den letzten Jahren, seitdem wir hier leben, etwas positiv verändert, aber ich empfinde das als nicht ausreichend. Eine Stadt wie Heide soll und muss seinen Bürgerinnen und Bürgern mehr anbieten, mehr Aktivitäten, mehr Auswahl, mehr Vielfältigkeit.
Gibt es hier so etwas wie eine serbische Community, etwa im Internet, mit der Sie im Kontakt stehen?
Ich habe hier viele Freunde, die auch ursprünglich aus meiner Heimat kommen. Mit denen bin ich sehr gut befreundet und wir verbringen viel Zeit zusammen. Wir tauschen die Informationen aus und wir unterstützen uns gegenseitig. Das hat eine sehr große Bedeutung.
Wachsen Ihre Kinder bilingual auf?
Unsere Kinder sprechen beide Sprachen. Zu Hause reden wir mit ihnen auf Serbisch, weil wir möchten, dass sie auch unsere Muttersprache gut beherrschen. Und Deutsch lernen sie dann in der Kita oder Schule, damit sie es richtig sprechen können. Dort kann man überhaupt nicht merken, dass sie eine andere Muttersprache haben.
Ab wann ist man Ihrer Meinung nach integriert.
Meiner Meinung nach braucht man mehr als das Erlernen der Sprache und die Ausübung einer Arbeit. Man soll sich hier wohl und zugehörig fühlen, wie zu Hause.
Welche Wünsche sind noch offen? Was möchten Sie noch erreichen? Möchten Sie hier bleiben oder noch etwas anders kennen lernen?
Was ich mir immer wünsche, ist, eine gute und stabile Zukunft für meine Kinder zu erreichen. Was ich von der Heimat vermisse sind die Familie und die Freunde, der Lebensstill, den ich gewohnt bin, und vor allem vermisse ich das Wetter und Sonne!
Aber meine Töchter gehen hier in die Schule und Kita und haben hier ihr Leben. Ich denke immer zuerst an meine Kinder und ich weiß nicht, ob es für meine Kinder besser wäre, wieder zurück nach Serbien umzuziehen oder hier zu bleiben. Ich spreche darüber oft mit meinem Mann. Wir sagen immer, wenn die Kinder groß sind und wir älter, werden wir vielleicht zurück nach Serbien oder irgendwohin umziehen, wo es wärmer ist. Das Wetter ist für uns hier nicht besonders gut. Aber, ob daraus etwas wird, kann ich nicht sagen. Es ist zurzeit nur eine Idee. Wir arbeiten beide, haben gute Jobs, wir haben auch hier gute Freunde, die Kinder ebenso. Ich würde sagen, wir bleiben erst einmal hier und schauen, was uns die Zukunft bringt.