Was würdest du sagen, was war im ersten halben Jahr für dich so hart?
Ich konnte nicht verstehen, was die Leute sagen, ich konnte auch nichts beantworten, ich konnte kein Gespräch führen. Das ist natürlich keine Kommunikation, du bist dabei, du bist ein Mensch, aber du kannst nicht kommunizieren. Und außerdem war ich schon in Russland eine erfolgreiche Lehrerin, Mathelehrerin. Und als ich an der Bielefelder Uni angefangen habe, Deutsch zu lernen, hat mich eine Dozentin gefragt: „Willst du hier eine Lehrerin werden?“ Und da habe ich gesagt: „Ich bin eine Lehrerin!“ Und plötzlich warst du nichts. Das war eine schwierige Zeit.
Wurde nichts anerkannt?
Absolut nichts.
Du hast alles neu studieren müssen?
Mein Mathematikdiplom wurde anerkannt, aber dann musste ich auch meine Deutschkenntnisse beweisen. Deswegen bin ich dann zur Ruhr-Universität nach Bochum gefahren, um da die Prüfung abzulegen. Ich hatte dann ein Jahr, um mich vorzubereiten auf diese Prüfung, da habe ich natürlich auch ein bisschen gelesen, ich war schon sehr selbstbewusst. Habe mir gedacht: Ok, diesen Text kann ich doch irgendwie zusammenfassen. Und dann habe ich so einen Aufsatz geschrieben und habe vier Fehler pro hundert Wörter gemacht. Durchgefallen! Obwohl ich dachte, Schreiben kann ich, Sprechen kann ich nicht. Und das Kolloquium, das habe ich bestanden, komischerweise. Nach einem Jahr durfte ich diese Prüfung wiederholen, aber nur die schriftliche Prüfung, die habe ich dann gemacht. Und dann war es wieder eine ganz andere Zusammensetzung. Da habe ich begriffen, ich darf nur zwei Fehler pro hundert Wörter machen. Und da habe ich zu Hause eine Zusammenfassung geschrieben und wie ein Gedicht auswendig gelernt. Ich habe fehlerfrei geschrieben. Aber die haben die Prüfung auch schwerer gemacht, die haben noch einen Zähltest gemacht. Zum Beispiel zehn Artikel bekommst du aus der Zeitung, und in jedem zweiten oder dritten Wort fehlten dann fünfzig Prozent des Wortes. Das war auch wiederum was Neues für mich. Ich hatte dann eine Privatlehrerin aus der Bielefelder Uni, und sie hat mir dann auch beigebracht, wie ich das machen kann. Übung macht den Meister, weißt du, sage ich doch immer. Und das war nicht leicht. Ich habe gedacht, wenn die die Anforderungen jetzt schon geändert haben, dann bestehe ich nie im Leben! Dann höre ich jetzt aber auf. Dann mache ich etwas anderes. Aber ich habe bestanden.
Und wie lief das auf den deutschen Ämtern?
Also Mathelehrer fehlen immer und bei mir im Diplom wurde direkt Mathe und Physik anerkannt, obwohl ich Physik gar nicht studiert habe. Also ich darf Physik hier unterrichten. Aber in Russland nicht! Ich unterrichte keine Physik. Ich unterrichte Mathe und Russisch. Aber ich musste zwei Fächer haben, deswegen habe ich dann Russisch studiert. Und ich habe gewusst, ich bin schon irgendwie zu alt, um noch fünf Jahre zu studieren. Drei Jahre Bachelor, zwei Jahre Master. Deswegen habe ich zwei Jahre Bachelor gemacht und ein Jahr Master. Das konnte ich, ich bin ja Muttersprachlerin.
Gab es irgendwie so Ämter, NGOs, die dir die Migration erleichtert haben?
Nein. So etwas kenne ich überhaupt nicht. Ich habe einen deutschen Mann geheiratet und er musste Verantwortung für mich tragen. Ich konnte nicht so wie in Russland zum Amt gehen und einen Deutschkurs bekommen oder so etwas. Ich musste alles selbstständig machen. Als ich in Kiel studiert habe, habe ich noch gearbeitet. An einer Grundschule, da fehlte die Lehrerin, da habe ich gearbeitet. Ich wusste, Russisch ist doch nicht so anspruchsvoll. Ich wusste, was ich machen konnte, in diesem Alter.
Wie hat sich das auf eure Beziehung ausgewirkt? Hast du dich da irgendwie abhängig gefühlt von deinem Mann?
Nein. Das war die große Liebe, da habe ich mich gar nicht abhängig gefühlt. Also in Bielefeld, da habe ich auch gearbeitet, im Autohaus. Autohaus Nowitzki. „Was kann ich für sie tun, wollen sie mit dem Chef sprechen?“ Da habe ich dann geholfen. Teile geholt, mit dem Auto. Ich kann ja gut Auto fahren!
Du hast vorhin schon erzählt, dass im akademischen Bereich die Leute eigentlich offen waren. Und du ansonsten im Alltag eher negative Erfahrungen gemacht hast? Fehlte den Menschen das Verständnis für deine Situation?
Genau! Mit Akzent spreche ich. Also mit Akademikern hatte ich gar kein Problem. Nur wegen dieser ersten Prüfung, da habe ich gesagt, das kann doch nicht sein, dass ich nicht bestanden habe. Jedes Blatt habe ich fotografiert und die haben gesagt, vier Fehler pro hundert Wörter. Und da habe ich gesagt: „Zeigen Sie mir, wer das von Ihnen kann?“
Und ein Jahr habe ich dann gewartet! Klar, ich habe mich verbessert. Aber da war ich schon baff. Und meine Deutschlehrerin auch. „Du hast das nicht bestanden?“ Und ich hatte das abfotografiert und ihr dann gezeigt. „Ich kann kein Deutsch“, habe ich gesagt.
Wie waren die genauen Umstände, die deine Migration von Russland nach Deutschland begleitet haben, nach Bielefeld, richtig?
Also das erste Jahr in Bielefeld, was ich da gemacht habe? Ja, im Autohaus habe ich assistiert. Teile geholt, mit dem Auto. Den Führerschein gemacht. Zuerst war mein Führerschein auch gültig, sechs Monate. Da konnte ich mit dem russischen Führerschein fahren. Und dann habe ich die Prüfung gemacht, ein halbes Jahr später. Da bin ich mit russischem Führerschein zur Prüfung gefahren und dann mit dem russischen Führerschein zum Amt gefahren, um den dann gegen einen deutschen Führerschein einzutauschen. Da meinten die Prüfer, ich dürfe doch noch gar nicht fahren, aber da habe ich gefragt: Wieso denn? Ich bin doch auch mit dem Auto hier hingekommen. Und dann habe ich gearbeitet. Bei der Volkshochschule habe ich dann mündliche Kurse besucht und danach habe ich auch an der Uni Deutsch gelernt.
Und dann bist du erst nach Kiel und dann nach Heide?
Ja! Mein Mann musste erst Insolvenz anmelden, ist Pleite gegangen und dann sind wir nach Kiel umgezogen und haben die Wohnung gemietet und ich habe dann studiert und gearbeitet, er im Autohaus, aber das gehörte ihm nicht, das war für ihn auch wiederum eine Umstellung. Und dann habe ich studiert. Und danach, als ich mit dem Studium fertig war, habe ich ein Referendariat gemacht. Da musste ich dann ein bisschen warten, und dann habe ich in Satrup ein Referendariat gemacht, zwei Jahre. Nach dem Referendariat, als ich alles bestanden hatte, habe ich dann als Vertretungslehrerin gearbeitet. In Kiel, am Gymnasium in Wellingdorf, bis ich dann diese Stelle in Heide bekommen habe. In Neumünster, das war ein sehr gutes Gymnasium, hatte ich auch einen Mathematikschwerpunkt.
Geht das, kann die Liebe so stark sein? Spielte das Ziel eine Rolle, also wärst du auch nach Italien gegangen?
Ich wäre auch nach Italien gegangen, warum nicht? Ist noch schöner da, ist warm. Dann könnte ich jetzt Italienisch sprechen.
Du hast mal erzählt, du kommst aus St. Petersburg?
Aus Perm.
Das ist ja ein gigantischer Schritt… Hast du es jemals bereut? Weil bei mir war es auch so, die Ehe ist irgendwann kaputt gegangen…
Nein, das habe ich nicht gedacht. Er war so verliebt, ich war so verliebt. Und außerdem, wenn die Ehe dann irgendwann kaputt gegangen wäre, wäre ich dann zurückgegangen, das ist ja gar kein Problem. Ich war ja schon jemand, ich war ja schon irgendwie eine Persönlichkeit, die schon Erfahrung hatte.
Ist das für dich jemals eine Option, zurückzugehen nach Russland, meine ich? Oder bist du jetzt hier in Deutschland soweit verankert, dass du sagst, ne, jetzt bin ich hier.
Zurückzugehen nach Russland? Ja, ich bin schon seit 19 Jahren hier. Mir gefällt es hier, warum denn nicht? Warum sollte ich zurückgehen?
Welche Musik hörst du?
Welche Musik? Also ich war jetzt bei einem Konzert, am Gymnasium bei der Symphonic Band, die machen sehr viel Spaß. Eigentlich bin ich auch in Russland zur Musikschule gegangen, fünf Jahre habe ich Klavier gespielt. Deswegen habe ich ein bisschen Ahnung und schätze das dann auch sehr, was die leisten. Das erinnert mich wiederum an Russland, so war das bei mir auch in der Schule und Musikschule. Sonst höre ich… welche Musik höre ich? Klassische Musik, höre ich, Helene Fischers Musik höre ich… sie hat auch einen Migrationshintergrund. Aber sie ist mit fünf nach Deutschland immigriert. Deswegen kann sie Deutsch besser als Russisch, sie singt auch auf Russisch, aber mit Akzent, das höre ich. Aus Sibirien kommt sie, woher genau, weiß ich nicht. Sie ist Russland-Deutsche. Die Eltern sind Deutsch, aber die haben in Russland gelebt.
Hörst du auch manchmal russische Musik, also so aktuelle?
Ja, das höre ich auch manchmal. Aber ich habe nicht so viel Zeit, um Musik zu hören.
Wenn du Nachrichten guckst oder Radio hörst, ist das dann Deutsch oder Russisch?
Beides, beides. Ich kann dann vergleichen.
Was vermisst du am meisten an den Dingen in Russland? Was fehlt dir am meisten?
Also hier in Heide habe ich zum Beispiel keine Möglichkeit, ins Theater zu gehen. Hier war einmal ein Ballett aus Russland. In Heide im Stadttheater. Ich dachte, ich wäre zu spät, wie immer keine Zeit, habe die Karte aber gekauft übers Internet. Und ich dachte, ich kriege gar keine Karte, ich dachte: Das ist Ballett aus Russland, weltberühmt! Schwanensee und so. Und dann habe ich doch eine Karte bekommen, siebte Reihe oder so, ganz nah. Ich habe noch gedacht, so eine kleine Bühne, wie können die denn da tanzen? Das schaffen sie doch nicht, mit Springen und Pirouetten drehen auf der Stelle! Arme Menschen. Aber die haben das ganz toll gemacht. Es war aber nur die Hälfte vom Gebäude voll, da war ich etwas enttäuscht. Und eine Dame hatte gefragt: Ist das gute Qualität oder schlechte Qualität, das habe ich nicht verstanden! Ja, das fehlt mir. Perm ist so groß wie Hamburg, Millionenstadt. Wir haben sehr gute Operntheater, Ballett auch sehr gut und andere Theater. Hier gibt es das nur in Kiel, in Heide gar nicht. So was Kulturelles fehlt mir. Museen, zum Beispiel. Carmen habe ich jetzt angeguckt in Hamburg, das haben die ganz toll gemacht.
Wenn du liest, ist das Deutsch, was du liest, oder Russisch?
Fifty-fifty. Auf Russisch geht das ganz schnell, da muss ich nur gucken. Auf Deutsch, da muss ich richtig lesen. Deutsch ist für mich eine Fremdsprache. War, ist und bleibt eine Fremdsprache, ich bin noch nicht so weit, dass ich jetzt sagen würde, dass ich mich fühle wie eine Muttersprachlerin. Mein Wortschatz auf Deutsch ist nicht so riesig wie auf Russisch. Obwohl, das Russisch geht auch ein bisschen verloren, habe ich gemerkt. Deswegen telefoniere ich ganz oft mit meinen Freundinnen in Moskau und St. Petersburg, damit ich dann meine russische Sprache wieder aktiviere.
Du sprachst von Essen, kochst du noch Russisch?
Also eigentlich habe ich keine Zeit zum Kochen, ich arbeite immer. Aber, falls ich koche, dann international. Also z.B. italienische Pizza. Ich kann auch Gans machen Ich habe eine Freundin. Die kommt auch aus Perm, sie wohnt in Glückstadt, sie war auch mit einem Deutschen verheiratet. Und dann sind wir zu viert, mein Ex-Mann, ihr Ex-Mann und wir beide haben dann Gans gekocht und Rotkohl mit Knödeln, wie es sein soll, auch mit Soße. Aber ich kann auch russisch kochen, also Borschtsch zum Beispiel. Obwohl, Borschtsch ist kein russisches Gericht, sondern ein ukrainisches.
Wo du es gerade ansprichst, hast du hier auch Freunde gefunden, die aus Russland kommen? So eine Art russische Community?
Also ich bin da nicht so aktiv, weil ich sehr viel studiert habe, also nicht so die Zeit habe. Aber meine Freundin ist hier, sie ist auch aus Perm, sie war auch Trauzeugin bei meiner Hochzeit und dann hat sie auch einen deutschen Mann geheiratet. Und dann habe ich noch eine Kollegin, die unterrichtet und wohnt in Hamburg, sie hat aber einen jüdischen Migrationshintergrund. Sie wurde gefördert. Ich hingegen nicht. Ich habe alles selbst irgendwie gemacht und sie hat eben Unterstützung bekommen. Und Helene habe ich hier kennengelernt, sie kommt auch aus Russland. Und dann einige, mit denen ich zusammen studiert habe in Bielefeld. Zum Beispiel dieses Mädchen, nein, für mich Mädchen, zehn Jahre jünger, mit ihr habe ich auch studiert. Und dann… wen habe ich denn noch… Olga, sie kommt aus Moskau und ihr Ehemann kommt auch aus Moskau und ich war die Lehrerin ihrer Tochter am Gymnasium in Kiel. Die Tochter war in der neunten Klasse und da haben wir uns kennen gelernt, als wir bei diesem Elternabend waren. Und ihr Mann, der arbeitet als Wissenschaftler. Erst ist ein Doktor der Geologie oder Biologie. Wir sind auch befreundet. Sie ist aber so alt wie ich. Ihre Tochter, die studiert auch, an der Kieler Uni. Russisch, studiert sie, Englisch, und Sport.
Und wenn ihr euch trefft, dann sprecht ihr natürlich nur Russisch.
Ja, nur Russisch. Obwohl, nicht! Sie ist ja nun auch sehr lange hier, und wenn wir mal eine russische Vokabel nicht finden, dann sagen wir sie auch auf Deutsch. Aber im Grunde genommen Russisch.
Lebst du gerne hier in Dithmarschen? Also findest du es ausländerfreundlich?
Also die Menschen sind sehr nett hier, finde ich. Also ich hatte hier kein Problem mit Deutschen in Heide. In Kiel sind die auch alle sehr nett, weil die auch viele Touristen haben, mit der Fähre aus Norwegen. In Bielefeld sind die Menschen sogar eher nicht so freundlich.
Merkwürdig, oder?
Ja. In Kiel, ist mir aufgefallen, waren die Menschen freundlicher. In Heide auch, da habe ich gar kein Problem. Aber ich spreche ja auch immer besser, besser, besser. Es liegt immer an der Sprache, wenn du die Sprache kannst, kannst du kommunizieren, dann läuft‘s.
Gibt es etwas, das dir in Dithmarschen besonders gut gefällt?
Als meine Mutter früher zu mir nach Heide gekommen ist, fand sie Heide toll. Sie ist jetzt 72 Jahre alt, und als sie zu mir kam, war sie 68, 69. Sie kann kein Deutsch, sie kann sagen: „Ich komme aus Russland, ich kann kein Deutsch, ich bin Lydia.“ Und dann habe ich gesagt: „Du musst gelbe Säcke holen, aus diesem Kreishaus, gelbe Säcke.“ Ich habe aufgeschrieben: „Ich möchte gerne gelbe Säcke haben.“ Das hat sie alles vorgelesen, da hat sie Frau angefangen mit ihr zu sprechen, da hat sie gesagt: „Ich verstehe kein Deutsch.“ Dann hat sie in den Raum die Zahlen geschrieben, arabische Zahlen versteht meine Mutter, und hat dann gelbe Säcke genommen. Und hier findet sie es sehr toll, falls sie irgendwie einkaufen geht, hier ist es nicht so voll und die Verkäuferinnen sind sehr, sehr höflich zu ihr. Zeigen ihr alles. Keiner sagt: „Geh weg, wir wollen mit dir nicht sprechen“, oder so. Also ich lebe gerne hier in Heide, ich arbeite gerne in Heide, aber um zum Beispiel ins Theater zu gehen, muss ich nach Hamburg fahren oder nach Prag oder nach Paris. Mit dieser Reisegesellschaft kann ich dann Bus fahren. Mir gefällt zum Beispiel Büsum im Vergleich zu Heide besser. Da ist es angenehmer, zu leben, glaube ich. Der gefällt mir besser, der Ort. Als Heide. Am Meer. St. Peter-Ording ist auch schön. Aber da muss man sehr weit gehen, zum Strand.
Und welche Wünsche sind offen? Damit du dich hier noch wohler fühlst? So in deinem Leben, im Kontext Dithmarschen?
Was fehlt mir noch? Also was mir nicht gefällt, ich bin fünfzig Jahre alt und lebe zur Miete. Das Gefühl, dass ich immer fragen muss, meine Vermieterin, darf ich das machen, darf ich das machen… Und hier ist es eigentlich so, dass hier alle zur Miete wohnen, da ist hier so die Politik. Ich habe schon, als ich in Kiel gearbeitet habe, einen Lehrer gefragt, der WiPo unterrichtet. Und der sagte: „Das ist hier so gewollt, das ist unsere Politik“. Wenn ich die Miete zahlen kann, ist das gar kein Problem für mich. Aber wenn die die Miete nicht zahlen kann, wenn die die Wohnung nicht finde, was soll ich dann machen? Also ich finde, jeder muss eine Eigentumswohnung haben oder die Möglichkeit, das Haus zu bauen oder zu erwerben, und dann mit fünfzig schon abbezahlt haben. Gut, ich bin eine Ausnahme, mein Mann ist Pleite gegangen, er hatte schon etwas, aber das macht mir Gedanken. Was ist, wenn mich meine Vermieterin anruft und sagt: „Frau Nowitzki, suchen Sie etwas anderes.“ Und dann muss Frau Nowitzki wieder etwas anderes suchen.
Hast du für das Exponat eine Take-Home-Message, was du den Menschen mitteilen möchtest?
Also es ist möglich, etwas zu erreichen in Deutschland. Dafür muss man fleißig sein, das muss man wollen. Man kann schon viel erreichen, wenn man fleißig ist.
Du hattest ja auch gesagt, dass du Biss gehabt hast. Also dass du auch entschlossen warst, hier etwas zu erreichen. Hier deinen Lebensweg zu beschreiten.
Ja, also das Land bietet schon viel an.
Um noch einmal auf die Anfangszeit zurückzukommen, was war da dein schönstes und was war dein schlimmstes Erlebnis?
Vom Anfang? Das Schlimmste war, dass ich schon Lehrerin war, aber nicht als Lehrerin arbeiten durfte.
Und dein schönstes Erlebnis?
Reisen. Ich bin sofort nach Amsterdam, mit dem Auto, das war mein Traum. Mit dem Auto kann man von Bielefeld super nach Amsterdam fahren. Das war mein Traum. Und dann sind wir nach Berlin gefahren, nach München, das war schön. Europa ist wunderschön, die Menschen sind auch nett. Die waren alle nett zu mir. Obwohl, schlecht Gebildete haben mich ausgelacht. Die haben uns zu einer Hochzeit eingeladen. Da wusste ich nicht, wie man Blumenstrauß sagt. Da habe ich gesagt: Blumen. Da hieß es: „Oh, sie kann nicht Blumenstrauß sagen!“ Die Frau hat mich ausgelacht. Das gibt es aber auch überall.
Da merkt man es wieder: Bildung. Aber ich denke, das gibt es in jeder Gesellschaft.
Ja, in jeder Gesellschaft. Es ist genauso in Russland zum Beispiel.