Svetlana Sonnenberg

Woher stammen Sie ursprünglich?

Meine Familie lebte ursprünglich in der Sowjetunion an der Wolga. Im 2. Weltkrieg wurde meine Familie zunächst in ein Arbeitslager deportiert und dann später nach Kasachstan. Im Gegensatz zu anderen Völkern der Sowjetunion durften die Deutschen nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurück in ihre Heimatorte. Wir mussten in Kasachstan bleiben.

Wie alt waren Sie, als Sie nach Deutschland kamen?

Ich war 31 Jahre alt.

Konnten Sie vorher schon Deutsch?

Ja, aber das, was man zu Hause gesprochen hat, ist etwas ganz anderes als das, was man hier spricht. Ich persönlich habe nur wenig Deutsch geredet, denn ich gehöre zu einer Generation, die kaum noch Deutsch gesprochen hat. Meine Großmutter sprach noch gut Deutsch und sogar auch Schwäbisch, aber mein Deutsch war schon sehr eingeschränkt. Das ist ein bisschen dem Sport geschuldet. Ich war sehr sportlich in meiner Jugend und damit auch erfolgreich. Daher war ich kaum zu Hause. Ich bin auf keine normale Schule gegangen. Ich war dann über das Jahr mit der Nationalmannschaft unterwegs. Zurück zum Deutsch: Ich konnte meine Großeltern gut verstehen, wenn sie mit mir in einfachen Sätzen Deutsch redeten. Aber ich selbst konnte es nicht so recht anwenden. Richtig Deutsch habe ich erst in Deutschland gelernt.

Wie würden Sie Ihre ersten zwei Jahre in Deutschland beschreiben? Was ist positiv gelaufen, wo gab es Schwierigkeiten? Wie müssen wir uns das vorstellen?

Für meine Familie war Deutschland immer Heimat. Das Wichtigste an unserer Heimkehr war, dass es eine gemeinsame Familienentscheidung war. Wir wollten alle nach Deutschland. Es bedeutet eine Menge, wenn man mit einer Motivation nach Deutschland kommt. Der Grund war, frei zu sein. Ich war unglaublich motiviert. Ich bin als Letzte aus meiner Familie nach Deutschland gekommen. Es war im November 1997 und dann direkt nach Dithmarschen. Das war sehr abenteuerlich. Das Wichtigste war, meine Familie wieder zu treffen, die bereits zwei Jahre in Deutschland war. Ich bekam recht schnell einen Sprachkurs und saß dort hochmotiviert mit 30 anderen Teilnehmern. Da ich sehr ehrgeizig bin, war ich bereit, schnell und viel zu lernen. Eine nette Nachbarin meiner Mutter, die sehr hilfsbereit war, bot mir Unterstützung beim Deutschlernen an. Ich bin zweimal in der Woche zu ihr gegangen und sie hat sich mit mir auf Deutsch unterhalten. Aber ich war ratlos. Die Fernsehnachrichten konnte ich verhältnismäßig gut verstehen, aber die ältere Dame verstand ich gar nicht. Wir haben mit viel Interesse Gespräche geführt, aber ich war mir nicht sicher, ob sie mich versteht. Bis es irgendwann bei mir im Kopf klingelte und ich sie fragte, ob sie Plattdeutsch mit mir spricht. Sie lächelte mich an und sagte: „Ja.“ Das war ein fröhliches Aha-Erlebnis. Ich habe sie gefragt, ob sie auch Hochdeutsch sprechen könne, was sie bejahte. Ab dem Moment konnten wir uns prima verständigen. Das war eine unglaubliche Erleichterung für mich. Ich war glücklich. Als ich nach Hause zu meiner Mutter kam, haben wir darüber gelacht.

Welche Sportart haben Sie betrieben? Welche Ausbildung hatten Sie in Kasachstan?

Sport spielte eine ganz große Rolle in meinem Leben, deshalb habe ich Sport studiert. Ausgeübt habe ich alpinen Skisport auf Hochleistungsniveau. Das hat mein Leben stark geprägt. Auch nach dem Sportstudium habe ich in diesem Bereich gearbeitet, im Ministerium für Sport und Kultur für die Nationalmannschaft. Sport genoss in der Sowjetunion eine ganz hohe Wertschätzung, es war eine Möglichkeit, Anerkennung zu bekommen. Das bot für mich als Deutsche eine der wenigen Möglichkeiten, überhaupt die sozialistische Welt zu sehen, zu reisen. Das habe ich genossen. Hier in Dithmarschen ist Alpinsport ja recht schwierig, es ist alles flach. Es war mir klar, dass eine berufliche Änderung in meinem Leben kommen wird. Das war erst einmal ein Schock. Man muss sich vorstellen, ich komme aus Kasachstans (damaliger) Hauptstadt Almaty. Das ist eine Großstadt, eine Metropole mit über einer Million Einwohnern, die natürlich eine ganze Menge bietet. Da war Dithmarschen ein echter Kontrast. Ich hatte zwar ein Studium, aber ich war auch bereit, etwas Neues anzufangen und zu sehen, wo mich die Reise hinführt. Ich habe mich engagiert und geschaut, was ich machen kann. Nach dem Sprachkurs ergab sich recht schnell die Möglichkeit, sich in Dithmarschen bei einer Migrationsberatungsstelle zu bewerben und dort zu arbeiten. Dafür war ich offen. Man muss auch wissen, dass man, wenn man als Migrant nach Deutschland kommt, nicht automatisch in seiner Berufssparte oder mit seinem Hochschulabschluss anerkannt wird. Es dauert eine gewisse Zeit, bis eine Anerkennung ausgesprochen wird. Das war für mich ein längeres Verfahren. Man sieht sich um, was es Vergleichbares in Deutschland gibt, also was ich im Studium gemacht hatte. Dieses Problem besteht ja nicht nur in Deutschland. Auch wenn man z.B. in Amerika studiert hätte, müsste man hier die Abschlüsse anerkennen lassen und das dauert oft Monate. Man weiß nicht, ob man eine Anerkennung bekommt. Ich gehörte Gott sei Dank zu den Leuten, die diese Anerkennung auch erhielten. Es gibt eine renommierte Sporthochschule in Köln und deren Inhalte, das Curriculum, war ziemlich ähnlich mit dem, was ich schon gemacht hatte, weshalb ich die Anerkennung erhielt. Aber ich war für alles offen. Ich hätte auch auf Lehramt studiert mit einem zweiten Fach neben Sport. Grundsätzlich wollte ich meine akademische Ausbildung aber nicht aufgeben. Um dann Praxis in der Sprache zu erlangen, habe ich die Arbeit in der Migrationsberatungsstelle aufgenommen.

Sie sind hier oben in Dithmarschen hängen geblieben. Haben Sie jemals mit dem Gedanken gespielt, von hier wegzuziehen, oder war Ihnen klar, dass Sie hier Wurzeln schlagen?

Es war am Anfang eine ganz große Umstellung, aus einer Großstadt in einen kleinen Ort zu kommen. Anfänglich wohnten wir in Wesselburen. Aber wichtiger war, dass meine Familie hier war. Ich habe mir gedacht, ich fang’ jetzt mal hier an und kann dann immer noch überlegen, was ich konkret mache. Man muss gucken, dass auch die Kinder Fuß fassen. Das ist ein ganz wichtiger Faktor. Wäre ich ungebunden gewesen, hätte ich wahrscheinlich andere Wege eingeschlagen. Aber so passte das erst einmal. Und nach und nach habe ich Dithmarschen lieben gelernt.

Was waren die größten Unterschiede zu Ihrem früheren Leben, an die Sie sich gewöhnen mussten?

Oh, da gab es eine ganze Menge Unterschiede. Es gab auch sehr witzige Momente. Zu meiner Zeit in der Migrationsberatungsstelle gab es eine große Migrationswelle unter anderem aus Kasachstan. Und es gab natürlich viel zu tun bei den Behörden. Da war ich natürlich gefragt. Das war mein allererstes Aha-Erlebnis. Es ist ja so, Kasachstan liegt in Zentralasien. Das prägt natürlich. Es herrscht ein anderes, warmes Klima. Die Leute in Almaty sind gute Gastgeber, sehr aufgeschlossen und im Großen und Ganzen neugierig. Es gehört immer zum guten Ton, ein Gespräch zu führen. Es gehört zur Gesprächskultur, gute Dinge über die anderen Menschen zu sagen. Ich war davon geprägt. Nun wusste ich natürlich, dass die Regeln in Dithmarschen ein bisschen anders sind. So saßen wir eines Tages mit einem Behördenleiter zusammen, nachdem wir vieles geklärt hatten. Er war gut gekleidet. Für mich war es selbstverständlich, ihm deshalb ein Kompliment zu machen. So sagte ich ungezwungen: „Sie haben eine sehr hübsche Krawatte.“ Da kam eine ganz lange stille Pause und ich wusste: Aha, das läuft hier scheinbar anders. Aber es gab auch sehr schöne Momente. Je mehr ich zurückblicke, denke ich, es gibt doch manch andere Unterschiede. Es dauert, bis man hier ankommt.

Was vermissen Sie, vermissen Sie überhaupt etwas?

Nein, ich vermisse nichts. Ich bin immer noch aufgeschlossen für viele Dinge und im Laufe der Jahre habe ich so tolle Menschen kennen gelernt, dass ich nichts vermisse. Ich bin sehr zufrieden.

Wie sind Sie eigentlich zu unserer Stiftung gekommen?

Das war auch eine sehr schöne Geschichte. Es war natürlich Zufall. Ich arbeitete zu dem Zeitpunkt in einer Agentur, die Migranten, Behinderte und Langzeitarbeitslose für den ersten Arbeitsmarkt fit macht. Dazu gab es unterschiedliche Instrumente, wie man Menschen nach ihren Fähigkeiten und Wünschen mit Unternehmern zusammenführt. Ich hatte ein Projekt begleitet, in dem es um den zweiten Arbeitsmarkt ging, für Menschen, die es ganz besonders schwer haben, damit sie in einem geschützten Raum zu arbeiten anfangen können. Ich habe eine Anfrage bekommen, bei der es um eine Stiftung ging. Das weckte mein Interesse, ob ich vielleicht jemanden bei der Stiftung vermitteln könnte. So habe ich Herrn Steincke kennen gelernt. Wir saßen uns gegenüber. Ich habe ihn beraten. Er war interessiert und sehr sympathisch und da gab es sofort eine Verbindung zwischen uns. Wir haben uns gleich verstanden. So hat es angefangen. Ruck-Zuck war ich in der Stiftung.

So, wie ich Sie verstanden habe, hat bei Ihnen vieles von Anfang an geklappt. Das Studium wurde anerkannt, Sie hatten Ihre Familie hier, Sie haben gleich einen Sprachkurs bekommen. Aber wo lag die größte Schwierigkeit oder Herausforderung?

Da gibt es eine ganze Menge Geschichten. Heute kann man darüber schmunzeln, wenn man es überstanden hat. Wenn man fremd in ein anderes Land kommt, geht es selbstverständlich darum, das Land und vor allem die Menschen kennen zu lernen. Ich glaube, in Dithmarschen fehlt es noch sehr viel an Erfahrung mit Migration. Man hat grundsätzlich eine feste Vorstellung davon, wie Migration zu laufen hat. Man hat verklärte Ansichten, wie Migranten sein sollten. Das gilt auch für Frauen. Auch davon habe ich eine ganze Menge Geschichten erlebt. Darüber konnte ich am Anfang verzweifeln. Eine davon möchte ich erzählen. Im Zuge meiner Arbeit ging es vor allem um die Finanzierung der Projekte in Dithmarschen. Es ist so, dass man die Leute von den Projekten überzeugen muss. Ich sollte nach Geldgebern forschen. So habe ich gehört, dass es einen Rotary-Club gibt, der Projekte finanziell unterstützt. Daher habe ich versucht, Kontakt aufzunehmen. Wie es der Zufall wollte, kannte ich einen Herrn Hansen, der war Bürgermeister in Brunsbüttel. Irgendwann stand ich in seinem Büro und er schlug mir vor, mich zu einem Rotary-Treffen einzuladen. Also habe ich mich entschlossen, dorthin zu gehen, ohne etwas mehr darüber zu wissen. Mit einem Kollegen bin ich dort gewesen. Ich kam in einen Saal. Alle waren sehr gut angezogen, aber es waren nur Männer da, keine Frauen. Da dachte ich: „Das ist ja komisch.“ Als ich mich dann an einen Tisch setzte, fiel mir noch mehr auf, dass es keine Frauen dabei waren. In meiner Unbekümmertheit fragte ich: „Wo sind denn die Frauen?“ Mir gegenüber saß ein älterer Herr. Er guckte mich an und sagte vernehmlich mit aller Ernsthaftigkeit, dass, solange er lebe, an einem solchen Abend keine Frauen dabei sein dürften. Er war um die 80, also erwiderte ich etwas flapsig: „Dann kann es ja nicht mehr so lange dauern.“ Da war ein Moment Stille im Saal, bis sich alles in einem Gelächter auflöste. Aber auf jeden Fall hatte ich Erfolg. Das Geld für das Projekt wurde uns gespendet. Im Nachhinein habe ich viel mehr über den Rotary-Club erfahren, dass es in Dithmarschen immer noch so ist, dass dort Männer und Frauen getrennt sind. Ja, das gehört auch zu meinen Erkenntnissen. So stelle ich mir Gleichberechtigung eher nicht vor.

Wo sind dann die Frauen?

Das ist eine gute Frage. Das läuft parallel in ihrer eigenen Organisation. Ich weiß, dass z.B. in Steinburg Männer und Frauen zusammen an den Treffen teilnehmen. Nur in Dithmarschen bleiben Männer und Frauen immer noch getrennt.

Wie sind Ihre kulturellen Interessen? Was kochen Sie zu Hause, was essen Sie gerne? Was für Musik hören Sie? Sind Sie kulturell noch mit Ihrer alten Heimat verbunden oder eher deutsch orientiert?

Gekocht wird zu Hause traditionell, aber nur, wenn ich Zeit habe. Migration ist quasi ein 24-Stunden-Job. Das ist anstrengend, herausfordernd und mit sehr vielen Rückschlägen verbunden. Ich habe großes Verständnis und sehr viel Respekt vor Menschen, die wie ich aus anderen Ländern kommen. Ich habe in Itzehoe lange Jahre ehrenamtlich Sprachkurse gegeben, einfach aus meiner Überzeugung heraus, dass hier Hilfe nötig ist. Das war etwas Besonderes, denn es war sehr international. Ich hatte Teilnehmer aus Chile, aus Rumänien, Kasachstan, Bulgarien und aus Syrien. Solch internationale Sprachkurse sind auch ganz selten. Die Menschen sind zweimal in der Woche nach der Arbeit – auch ich habe ja tagsüber noch gearbeitet - zur Kirchengemeinde gekommen. Auch die, die Schichtarbeit hatten. Sie sind trotzdem oft todmüde in diese Sprachkurse gekommen. Auch mein Mann war als Pastor in dieser Gemeinde immer präsent, weil er interessiert war, was das für Menschen sind. Er hat mir nach zwei Jahren gesagt, dass er diese Menschen bewundere, denn er hat erfahren, dass das Sprachenlernen eine harte Arbeit ist und es am Ende keine Garantie gibt, dass man die Sprach richtig sprechen kann. Die Sprachbegabung spielt dabei eine ganz große Rolle. Ich habe festgestellt, dass die Menschen, die aus südlichen Ländern kommen, sehr gut nach Gehör lernen können, selbst ohne in ihrem Heimatland Lesen und Schreiben gelernt zu haben. Andere haben ganz große Probleme. Sie können prima lesen und übersetzen, aber nicht sprechen. Das kann jemand, der hier geboren ist, nur schwer nachvollziehen. Dazu muss man selbst solche Erfahrungen gemacht haben. Deshalb habe ich großen Respekt vor denen, die hierherkommen. Trotz der vielen kulturellen Unterschiede ist der wichtigste Schlüssel zur Integration die Sprache. Auch mein Deutsch ist nicht immer perfekt, aber den Anspruch habe ich auch nicht. Ich kann mich über viele Dinge fachlich austauschen und auch konstruktiv streiten. Und das macht Spaß.

Lesen Sie eher deutsch- oder russischsprachige Bücher?

Mittlerweile Deutsch. In Russland war ja vieles nur im Verborgenen zu bekommen. Ich muss zugeben, dass ich wegen meines Jobs hauptsächlich Fachliteratur lese, nur im Urlaub auch andere Literatur. Im Alltag bleibt das auf der Strecke. Ich habe nicht den Anspruch, perfekt zu sprechen, aus dem einfachen Grund, dass ich meine, dass es oft Situationen gibt, in denen ich unbewusst im Kopf in einer anderen Sprache unterwegs bin. Zum Beispiel merke ich beim Tippen auf dem Laptop, dass mir auffällt: „Oh, das ist aber ein russisches I.“ Und das wird immer so bleiben. Ich glaube, für alle Menschen, die mehrsprachig aufgewachsen sind, trifft dies zu. Es kommt darauf an, wo man jeweils im Kopf unterwegs ist. Bei meiner Arbeit habe ich es immer wieder mit Migranten zu tun. Wenn ich eine Weile Französisch gesprochen habe, muss ich mich erst einmal wieder umstellen. Das fällt mir nicht so leicht wie den Menschen, die es beruflich machen. Die können synchron übersetzen, aber ich muss erst einmal überlegen.

In welcher Sprache träumen Sie?

Ach, jetzt mittlerweile auf Deutsch. Wenn ich auf Russisch träumen würde, verstünde mein Mann das ja gar nicht. [Gelächter]

Und Ihre Tochter, die Sie mitgebracht haben, ist sie bilingual aufgewachsen?

Sie spricht fünf Sprachen. Sie träumt nur auf Deutsch. Manchmal fragt sie auch nach speziellen russischen Wörtern. Die große Aufgabe besteht darin, dass auch die Enkelkinder mehrsprachig aufwachsen. Es ist gut, wenn sie die Sprachen einfach hören. Ob sie sie später einmal sprechen, ist etwas anderes. Man merkt, wenn man im Ausland ist, dass es vorteilhaft ist, die Sprache zu sprechen. Aber es gibt oft ganz spaßige Erlebnisse, wenn man die Feinheiten der Sprache nicht beherrscht. Es kommt zu witzigen Missverständnissen. Deshalb habe ich auch keinen Anspruch auf Perfektion. Was ich in Dithmarschen vermisse, ist eine gewisse Leichtigkeit. Die Menschen hier möchten offensichtlich immer alles richtig machen und sind deshalb häufig übervorsichtig. Wenn man Auslandserfahrungen hat, merkt man, dass es gar nicht darauf ankommt, immer perfekt zu sein. Man kann sich auch so austauschen. Die Unterschiede sind eine Bereicherung.

Waren Sie noch mal in Kasachstan oder haben Sie vor, es wieder zu besuchen?

Nein. Es ist ja so, dass alle meine Freunde, mit denen ich gearbeitet habe, im Sport aktiv waren. Sie sind nun überall in der Welt verstreut, z. B. in Kanada, Amerika, Portugal. Es ist ganz spannend, sie zu besuchen. Aber ich war vor dem jetzigen Ukraine-Krieg 2015 mit meinem Mann in Russland, einfach um ihm dieses Land, diese Weite, die Kultur zu zeigen. Es ist ein großer Unterschied, wenn in Deutschland über 200 Menschen pro Quadratkilometer leben und in Russland sind es nur 7 auf einen Quadratkilometer. Das macht etwas mit einem. Es ist schon spannend, das zu erleben. Aber auch Migranten, die nach Amerika oder Kanada gehen, merken natürlich: „Wow, die Welt ist ja viel größer!“

Gibt es noch Wünsche, die Sie verwirklichen möchten?

Ja, eine ganze Menge, was meinen Sie speziell?

Z. B. persönliche?

Ich habe Freude, auch bei der Arbeit für die Stiftung. Sie gibt mir Einblick in viele Dinge, die wirklich interessant sind. Auch beruflich bin ich ganz glücklich. Der Beruf ist ein bisschen zur Berufung geworden. Ich freue mich auf meine täglichen Aufgaben Es gibt auch natürlich Tage, an denen ich hoffe, dass sie schneller zu Ende sind, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.

Was möchten Sie den Passanten, die das Exponat betrachten, als Quintessenz Ihrer Erfahrungen mitgeben? Was möchten Sie Migrantinnen und Migranten mit auf den Weg geben?

Mut zur Veränderung, Selbstvertrauen für Ideen, auch in der Fremde seine Wünsche und Träume weiterzuleben, auf tolle Leute zu treffen und zu erfahren, dass man die Herausforderungen meistern kann. Ich hatte auch eine ganze Menge Glück. Aber dieses Glück ist auch ein bisschen der Suche danach zu verdanken. Wenn man nur bei sich selbst bleibt und nicht auf die Suche geht, dann wird es auch nichts, sondern man muss auf die Leute zugehen und sich begeistern lassen. Und auch, wenn man negative Erfahrungen macht, immer daran zu denken, dass die Welt größer ist und dass es viel mehr Interessantere, motivierte, freundliche Menschen gibt, auf die man sich verlassen kann, als solche, die diese glückliche Erfahrung nicht machen können. Die Welt verändert sich und Dithmarschen auch.