Ich bin Dithmarschen

“In unserem derzeitigen politischen Klima fokussiert man sich auf die negativen Aspekte von Vielfalt. Es ist fast eine Ironie, dass wir diese Diversität als Problem ansehen, während sie in Wahrheit ein Geschenk ist.” 1
Kamasi Washington, amerikanischer Jazz-Musiker 2017

Zum Thema Migration

Das genannte Zitat trifft auch auf Deutschland im Jahre 2024 zu. Migration wird in unserer Gesellschaft zunehmend als Problem und Bedrohung wahrgenommen. Oft wird nur darüber diskutiert, wie weitere Zuwanderung verhindert und schnell abgeschoben werden kann. Diese verkürzte Debatte nutzt nur denen, die aus Rassismus und Fremdenfeindlichkeit lautstark eine „Remigration“ von Menschen fordern. Aber Migration findet immer statt, sie ist keine Frage des Wollens.

Daher brauchen wir dringend Offenheit für eine breite gesellschaftliche Diskussion. Wir müssen mit dem Thema Migration vor dem Hintergrund großer Fragen auseinandersetzen (Sicherung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, Arbeit und Wirtschaft, demografischer Wandel, Bildung, Gemeinschaft, Humanität und Klimawandel, Frieden und innere Sicherheit).

Zugewanderte Menschen und deren Kinder haben hier ein Zuhause gefunden und leisten wertvolle Beiträge zur Entwicklung unserer Gesellschaft in den Bereichen Wirtschaft, Sport und Kultur, Bildung, Verwaltung und Politik. Dies wollen wir in dieser Ausstellung anhand von elf Personen aufzeigen, die zu einem Teil Dithmarschens geworden sind.

Konflikte löst man in einer Streitkultur

Natürlich wissen wir, dass diese elf Personen nicht repräsentativ für alle Zugewanderten stehen. Migrationsgeschichten führen nicht immer geradlinig zum Erfolg. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani weist darauf hin, dass paradoxerweise eine gelungene Integration zunächst zu einer Zunahme von Konflikten führt. Dadurch, dass mehr Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, entsteht Konkurrenz. Bislang Privilegierte müssen die vorhandenen Ressourcen mit neu Hinzugekommenen teilen, die ihrerseits berechtigte Ansprüche und Bedürfnisse formulieren. Aber dadurch entstehen auch neue Ressourcen. „Wenn Integration gelingt, wird die Gesellschaft nicht harmonischer, vielmehr ist die zentrale Folge … ein erhöhtes Konfliktpotential.“ 2 Diese Konflikte müssen gewaltfrei bewältigt werden. Konflikt bedeutet nicht Krise und Spaltung, sondern Zusammenwachsen. Was unsere Demokratie braucht, ist eine positive Streitkultur und keine unklare Leitkultur.

Unser Standpunkt

Integration passiert nicht automatisch. Auch die Zugewanderten müssen ihren Beitrag leisten. Dabei spielt der Spracherwerb eine wichtige Rolle, das zeigen auch unsere elf präsentierten Lebensläufe. Wir können nicht erwarten, dass Integration in jedem Einzelfall gelingt. Wir müssen akzeptieren, dass Veränderungen zu Widerständen führen können, die grundsätzlich nicht unberechtigt sein müssen. Dennoch dürfen wir die Meinungshoheit nicht denjenigen überlassen, die die Diskussion missbrauchen, um unsere freiheitliche Rechtsordnung anzugreifen.

Unser Ziel

Wir wollen mit dieser Ausstellung einen Beitrag zu der genannten Streitkultur leisten. Wir wollen zum Nachdenken anregen und Gespräche in Gang setzen, sowohl mit den ‚Alteingesessenen’ als auch mit denen, die vor längerer Zeit oder erst vor kurzem zu uns gekommen sind.

Für alle Dithmarscher

Nehmen Sie sich die Zeit, die Interviews über die QR-Codes abzurufen und zu lesen. Sie werden elf interessanten und spannenden Lebensgeschichten begegnen. Sie werden elf Menschen kennen lernen, die zu Dithmarschen gehören und zu seiner Entwicklung beitragen. Die Erfahrungen dieser Menschen können denjenigen helfen, die sich noch auf dem Weg der Integration befinden oder diesen noch vor sich haben.

Ihre Arbeitsgruppe „Bildungsformate“ in der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung

Interviews